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Ben Chananja · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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— 34 — pulsirendes Leben innerhalb der ungarischen Gemeinden zu Tage kommen läßt, ist in Böhmen auf dem flachen Lande entweder schon vorüber oder — noch nicht gekommen. — Genug, daß ein besseres Streben und ein reger Sinn für alles Schöne, Gute und Zeitgemäße in allen Schichten der böhmisch - jüdischdn Bevölkerung zu finden und einem rüstigen Arbeiter im Weinberge des Herrn Spielraum genug für seine Thätigkeit geboten ist. Auf Widerstand wird er in der Gemeinde, wie dies in Ungarn leider so oft der Fall ist, niemals stoßen. Das Zelotenthum gedeiht nun einmal hier nicht. Selbst die Rabbinen ältern Datums und älterer Richtung in Böhmen suchen nicht durch Schmähreden und Aufreizungen, wie dies jüngst in Mosen geschah, ihre jüngern Kol« legen zu verketzern, um sich dadurch eine wohlfeile gloriöse Strablenkrone auf die Schläfe zu setzen. Die böhm. altorthodoren Rabbinen leben still und bescheiden ihrem Berufe. Leider hat Böhmen in der jüngsten Zeit einen der würdigsten Rabbinen durch den Tod verloren. — R. Israel Goldschmied, Rabbiner zu Reichenau, ein ehrwürdiger Greis, starb im November d. I. Er war früher ein achtbarer Kaufmann und wurde später durch den Willen der Gemeinde einstimmig zum Rabbiner erwählt. Er war ein frommer Biedermann im wahren Sinne des Wortes und von seltener Bescheidenheit. Seine lezte amtliche Funktion theilte er mit mir, indem er bei einer Trauung mir die Trauungsrede zu halten überließ; da war es, wo ich die edle Seele dieses Biedermannes zu erkennen Gelegenheit hatte. Bei seiner, durch vieljähriges körperliches Leiden und durch bittere Erfahrungen getrübten düstern Weltanschauung, war sein Herz doch voll Liebe der Menschheit geöffnet, freute er sich doch innjg mit jedem frischen Wellenschlage im Strome der Zeit auf jüdischem Gebiete. Bei seinem ausgebreiteten rabbinischen Wissen besaß er eine künstlerische Fertigkeit in Handhabung der hebräischen Sprache, doch war er, wie er mir selbst kurz vor seinem Tode eröffnete, niemals zn bewegen, etwas von seinen Arbeiten in hebräischer Sprache zn veröffentlichen, obwol er von sehr achtbarer Seite dazu öfters anfgefordert wurde. Vielleicht unternimmt es der wackere Sohn, Hr. Goldschmied, Religionslehrer an der Musterhauptschule zu Temesvar, etwas aus dem literärischen Nachlasse seines edlen Vaters der Oeffentlichkeit zu übergeben, was sehr zu wünschen wäre. Den Manen des nun in Gott ruhenden wackern Rabbinen rufen wir nach:;תנצבר!! Schließlich noch die erfreuliche Nachricht, daß Hr. Dr. Jakob Felix, Sohn des verdienstvollen hiesigen Lehrers Hm. Samson Felir, von der Regierung der Moldau zum Quarantaine-Arzt ernannt wurde, und hat dieser junge, sehr tüchtige und wissenschaftliche Arzt bereits seinen Posten in Oltenicza vor längerer Zeit angetreten. Er erfreut sich in seinem Amte der Achtung seiner Umgebung in vollem Maße. Für heute, geschäzter Ben-Chananja, sage ich dir Lebewohl, und wünsche, daß dich Gott in seinen gnädigen Schutz nehme לכבלד ולתפארת! Hone, im Dezember 1858. Dr. Ehrentheil, Rabbiner.

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