Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 33 — Wenden wir uns von dem wissenschaftlichen Gebiete ab und dem praktisch-religiösen Leben zn, so ist eine Schattenseite am hiesigen Gemeindeleben hervorznheben, die allerdings auch eine Lichtseite involvirt. Die hiesige Gemeinde genießt in inneren Angelegenheiten einen hohen Grad von Selbstständigkeit. Sie steht unabhängig da. Im Interesse der Sache ist es jedoch zu bedauern, daß die Selbstständigkeit auf einem Gebiete gewahrt wird, wo sie nicht am Platze ist. Wir meinen nämlich, daß die Prediger wol um ihre Meinung in Kultusangelegenheiten gefragt werden, ohne aber daß diese maßgebend ist. Wir wissen wol, daß so Mancher, wenn er diese Zeilen liest, ein Geschrei erheben wird, als wollen wir der ״Hierarchie" Thür und Thor öffnen. Es ist das in lezter Zeit 16 8p66tr6 rouge, mit dem man aber blos Kinder schrecken kann. Im Judenthume giebt es keine Hierarchie, und unsere Zeit ist am alterwenigsten dazu angethan, die Hierarchie zum Gedeihen zu bringen. Wir erlanben uns aber zwei Fragen zu stellen. Erstens: Wem steht es zu, über religiöse Fragen zu entscheiden, den Männern, die sich mit dem Gegenstände beschäftigen und beschäftigt haben, oder denjenigen, die vielleicht als Dilettanten sich auf dem Gebiete nmgesehen? Zweitens: Wer hat die Verantwortlichkeit für das, was geschieht, zu tragen? Am Ende doch diejenigen, die kraft Ihrer Stellung und ihres Wissens berufen wären, eine entscheidende Stimme in solchen Fragen zu haben. Es fällt uns nicht ein, befürworten zu wollen, daß dem Rabbiner oder Prediger allein die Entscheidung endgültig zustehen soll, denn auch sie sind nicht frei von Irrthümern. In unserer Zeit insbesondere giebt es Rabbiner, die nicht den Muth haben, etwas zu erlauben und zu gestatten, was ein Rabbiner der alten Zeit in gegebenen Fällen ohne Anstand gethan hätte. Es ist das leider eine Folge der Versiachnng unserer Zeit, die nicht לעומק הדין dringt. Sie haben ״ideale Ideen", ohne positiven praktischen Gehalt und Inhalt. Was aber dem Rabbiner oder Prediger kraft seines Berufes zusteht, daran sollte man nicht mäkeln. Ich habe mir erlaubt, heute zwei Schattenseiten unseres Gemeindelebens anzuführen. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, die Dinge nicht zn beschönigen. Einer Gemeinde, wie Wien, 'עי מ כל ישראל עליי, die so viele bedeutende, hervorragende Männer in ihrer Mitte zählt, ausgezeichnet durch Intelligenz, Stellung re., die so viel Großes geschaffen, kann man seine Achtung nur dadurch beweisen, indem man aus die Mängel hinweiset. Es wird im Verlaufe meiner Mittheilungen auch nicht an Lob fehlen, denn Stoff dazu ist vorhanden. Griefe aus Böhmen. 1. Erwarte nicht, geschäzter Ben-ChManja, der du deine Werkstätte im schönen Ungarlande aufgeschlagen, aus dem Kreise der böhmischen Gemeinden öftere und inhaltreiche Briefe über jüdisches Leben und Streben von mir zu erhalten. Das Stadium des Werdens und Entstehens, das so viel frisch Uou-Chanatija 1859. I. 3