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Ben Chananja · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
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— 32 Wien, Mitte Dezember. Wo Thaten sprechen, ist das Wort überflüssig. Seitdem die hiesige Gemeinde besteht, ist kein Jahr vergangen, in welchem so viele herrliche Früchte zur Reife gediehen wären, als eben in dem verflossenen. Das prachtvolle Gotteshaus, die schöne Kinderbewahranstalt, das herrliche Taubstummeninstitut und das bescheidene, aber höchst wohlthätige Armenhaus find Ln diesem Jahre vollendet und ihrer Bestimmung übergeben worden. Heil denen, die sich daran betheiligt, die diese Werke gefördert haben. Wol sind diese Werke nicht im lezten Jahre begonnen und vollendet worden; das schmälert jedoch nicht das Verdienst, erhöhet es vielmehr. Die Männer hatten Geduld und Ansdauer, haben Jahrelang mit der Sache sich beschäftigt. Ist jedoch,nach dieser gethanen Arbeit Zeit zu ruhen? — Ist nun alles geschehen, was geschehen sollte und konnte? — Mit Nichten. Nirgend ist es am Platze zu ruhen, und gewiß ist die Erhaltung eines geschaffenen Werkes eben so schwierig, als dasselbe in's Leben zu rufen. Der liebe Gott beschäftigt sich seit der Schöpfung mit der Erhaltung und Leitung der Welt, und ich sollte glauben, er hat genug zu thuu. Wenn auch manchmal die Thorheiten der Menschen bis zum Himmel dringen, so daß יושב בשמים ישחק; so bereiten sie doch dem Weltenherrn viel Verdruß. Ueberdies wie vieles könnte und müßte hier noch geschehen! Die Gemeinde in einer Residenz hat eben weit größere Aufgaben, als eine Gemeinde in einer Landstadt. Die hiesige israelitische Gemeinde ist zudem sehr bedeutend durch ihre Seelenzahl. Das Arge jedoch ist, daß man hier die alten Traditionen nicht aufgeben will, und immer noch den Glauben hegt, als bestünde die Wiener Gemeinde aus 120 Tolerirten. Es fällt uns gewiß nicht ein, den Wohlthätigkeitssinn der hiesigen Gemeinde Ln Frage stellen zu wollen; er ist weltbekannt, — und doch möchten wir fragen: Hat etwa Berlin, Breslau, Frankfurt re. nicht ebenfalls Wohlthätigkeitsanstalten? Sind sie nicht vielleicht verhältnißmäßig zahlreicher und besser dotirt?— Was aber geschieht für Lehranstalten? Die Kinderbewahranstalt und das Taubstummeninstitut sind in ihrer Art vorzüglich. Diese vertreten aber nicht die Wissenschaft. Die Prediger sind von ihrem Amte sehr in Anspruch genommen. Der Rühm, den ehemals ein Rabbiner genoß, daß er יומם וליל מתמיד ist, der bestehet heute nicht mehr, da der Prediger auch Beamter ist und ihm das Amt sehr viel Zeit aus der Hand nimmt. Die Religionslehrer sind so sehr mit der Schule beschäftigt, daß sie die Zeit sich abkargen müssen, um selbst den Quellen der Wissenschaft nachzuforschen. So ist es in der Metropole bezüglich jüdischer Wissenschaft bestellt. והתורה מונחת בקרן זוית• Sie werden nun vielleicht fragen, was leistet denn die Religionsschule, wie strebt sie, die jüdische Wissenschaft zu fördern? Ohne in die Details eingehen zu wollen, ist zu bemerken, daß die Religionsschule nicht zunächst die Aufgabe hat, jüdische Wissenschast zu fördern. Die Wissenschaft überhaupt zu fördern, ist nicht die Aufgabe von Volks- und Mittelschulen. Die Religionsschule kann nur den Sinn für Judenthum und jüdisches Wissen wecken nnd warm halten, und Ersteres thut oft und häufig sehr Noch.

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