Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 29 Heute (5. Kislev ---- 12. November) beim Morgengebete versah ich den Dienst eines Vorbeters bei der deutschen Gemeinde. Mit heißer Inbrunst sprach ich das ועננו בורא עולם, welches wegen Regenmangel von dem Vorbeter in שמע קולנן gesagt wird. Kommenden Montag sollte der erste תענית גשמים sein. Denn bis heute hatten wir schwere Hitze, und der Preis des Wassers war um das vierfache gestiegen. Aber Gott der Barmherzige hat unser Gebet erhört. Indem ich gegenwärtige Zeilen schreibe, gießt der Regen in Strömen herab. Seit 6 Monaten weilen zwei hervorragende Russen hier: ein General und ein philologiae Prof. Levisohn. Beide erweisen ihren Glaubensgenossen viele Wohlthaten. Es ist niederschlagend, daß nicht alle Israeliten, die aus Europa hieher kommen, vom Geiste reiner, brüderlicher Liebe beseelt sind, und daß sich Mancher von falschen Berichterstattern irre leiten läßt. Dr. Albert Cohn aus Paris ragt durch seine Liebe und seine Besonnenheit besonders hervor. Seine Schöpfungen sind für die Dauer gegründet. Für den herrlichen Bauplatz, welchen die deutsch-holländische Gemeinde erworben hat, wird bereits der doppelte Preis geboten. Wir wollen aber keine Geschäfte damit machen. Sechs arme Familien haben bereits Obdach gefunden. In Amsterdam und Frankfurt am Main bestehen bereits Komitees zur Unterstützung unseres Unternehmens. Mögen unsere Brüder in Europa und Amerika die Wichtigkeit und Heilsamkeit desselben zu Herzen nehmen! Preßburg, Dezember 1858. Löbl. Redaktion! Bei Gelegenheit der Besprechung des Programmes der k. k.' israel. Musterhauptschule in Pest erwähnen Sie mit gebührendem Lobe der Stadtgemeinde zu H.-M.-Vasarhely, welche aus der Kommune-Caffa die dortige israel. Hauptschule mit einem Beitrage unterstüzt. So freudig sich auch das Herz eines jeden redlichen Israeliten bei Wahrnehmung so humaner Gesinnungen zu Gunsten seiner Mitbrüder bewegt, wäre doch ein so isolirtes Beispiel in unstrm Vaterlande wenig erhebend. Gott sei Dank! das gerechte Vorgehen der Stadtgemeinde zu M.-V. ist keineswegs so vereinzelt. Die hiesige Stadtgemeinde z. B. zahlt jährlich 800 si. als Beitrag für die jüd. Gemeindeschule; und zur Vertheilung an jüd. Arme ein Pauschale von 1600 fl. jährlich als gebührenden Antheil an den Zinskreuzern. Herr Gemeinderath Sal. Mayer sprach sich gegen dieses Pauschale aus, und wünschte, daß in dieser Rücksicht volle Gleichheit herrsche, und die jüd. Armen so wie die Armen anderer Konfessionen betheilt werden mögen. Jedenfalls verdient der hies. löbl. Gemeinderath die dankbarste Anerkennung und eine ehrende Erwähnung in dem B.-Ch. Da es aber keinem Zweifel unterliegt, daß sonst noch manche Stadtgemeinde in Ungarn auf gleiche Weise ihren humanen Sinn bethätiget; so bedürfte es blos der Aufforderung an Ihre Correspondenten, darüber zu berichten *). L. H. *) Was wir hiemit sehr gerne thun. Ued.