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Ben Chananja · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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— 23 — Sott aber der Bibelunterricht als der alleinige Religionsunterricht in der Volksschule fruchtbringend sein, so muß auch dem hebr. Sprachunterrichte gebührende Rechnung getragen werden. Ich bin jedoch weit entfernt davon, den Bestrebungen mancher Lehrer das Wort zu reden, welche aus ihren Schülern hebr. Schriftsteller machen wollen. Die hebr. Sprache ist in der jüd. Volksschule nicht Selbstzweck des Unterrichtes; die Sprachkenntniß soll nur zur Erleichterung des Bibelunterrichtes dienen. Die Fertigkeit, aus dem Deutschen in's Hebräische zu übersetzen, gehört in's Rabbiner- und Lehrerseminar, nicht in die Volksschule. Hat das Kind bei dem Austritte aus der Schule die Kenntniß des NLthigsten aus der hebr. Formenlehre und eine gewisse Gewandtheit in der Auffindung der Wurzeln erlangt; so ist das Lehrziel des hebr. Unterr. in der Volksschule vollkommen erreicht. Bei einem geschickten methodischen Verfahren wird es begabteren Kindern der oberen Klaffen nicht schwer fallen, leichtere Bibelstücke mit Hülfe eines Wörterbuches zu übersetzen. Damit ist die 3. Frage beantwortet. Rückfichtlich der 5. Frage glaube ich bemerken zu müssen, daß der Unterricht in der Uebersetzung der Gebete nach meiner Meinung die Andacht nicht fördern könne, vielmehr derselben hemmend und störend in den Weg treten müsse. Denn es ist nicht denkbar, daß Kinder zarten Alters in zwei Sprachen zugleich denken sollen, welche noch dazu so heterogen find, wie die hebräische und deutsche. Im günstigsten Falle wird daher das betende Kind zuerst das hebr. Wort aussprechen, und stch erst dann die deutsche Uebersetzung hinzudenken. Dies muß aber die Erregung der Andacht verhindern, ja dem Kinde, wenn es überhaupt ernsthaft genug ist, die erwähnte Denkoperation vorzunehmen, Pas Beten sogar verleiden. Und wie weit kann endlich der Lehrer bei dem größten Fleiße in der Uebersetzung der Gebete gelangen? Es ist daher nach meinem Dafürhalten am zweckmäßigsten, die Kinder mit dem Geiste eines jeden Gebetftückes im "INO so vertraut zu machen, daß ihnen beim Gebete der Inhalt des Gesprochenen lebhaft vor die Seele tritt, und solchergestalt die Andacht in ihnen geweckt und erhöht wird. Zur Erledigung des 1. und 2. Fragepunktes möge endlich Folgendes dienen: Da die Vorbereitungsklaffe nicht überall besteht, so kann hierauf keine Rücksicht genommen werden. Jedenfalls beginnt der hebräische Unterricht in der 1. Klaffe. Lehrziel: Fertiges Lesen und Auswendigwiffen der gewöhnlichsten Preisgebete (כרכור) mit Inhaltserklärung. Wöchentliche Stundenzahl: 10. — 2. Kl. Lehrziel: Thora bis וישב. Stundenz.: 10. — 3. Kl. Lehrz.: Thora bis 9 .כי תשא St. — 4. Kl. Lehrz.: במדבר D. 10 St. — Zur Erlernnttg des zurückgebliebenen 0. Buches der Thora sind Sabbathschulen einzurichten, wodurch weder die Jugend überbürdet, noch der Gemeinde ein zu großer Aufwand zugemuthet wird.

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