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Ben Chananja · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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— 15 — Nach Josefus (jüd. Kr. II. 8, 12) bildeten stch die Anhänger des Essenism zur Weissagung aus. Dies war die natürliche Folge ihrer Jagd nach Allegorien und Sinnbildern. Indem sie dem einen oder andern Schriftworte ihre Einfälle unterlegten, meinten Manche wirklich, in die Geheimnisse des himmlischen Rathschluffes gedrungen zu sein. Wie ihnen die Gesetze der Thora nur Hülle für den darin liegenden, von ihnen herausgefundenen Geist zu sein schien, so wagten sie stch auch an die Aufstellung willkürlicher Theoreme über die Natur des Menschen, und erklärten die menschliche Seele für einen Ausfluß des Aethers. Am Ende verstiegen sie stch so weit, daß sie selbst für das göttliche Wesen Sinnbilder suchten: das Licht, die Sonne galten ihnen für Sinnbilder der Gottheit, weshalb sie stch bei manchen körperlichen Berrichtungen sorgfältig verhüllten, um die Strahlen der Gottheit nicht zu verletzen. Nach derselben fantastischen Manier trieben sie die Heilkünde. .Ohne objektive Kenntnisse von derselben zu besitzen, heilten sie mystisch, symbolisch, durch Besprechungen. Die Peruschim waren dagegen von aller Allegorisirnng und Symbolisirung weit entfernt, und sie warnen aufs Nachdrücklichste, die Zeremonialgesetze ethisch zu symbolistren. Selbst dort, wo das ethische Moment auf der Hand liegt, soll das göttliche Gesetz nicht darnach gedeutet werden (Megilla 4, 9). Und wie sehr hat der Erfolg die Warnung der Peruschim gerechtfertiget! Der Essenism führte zulezt zu einem Bruche mit dem mosaischen Gesetze. Er mußte dazu führen, wiewol es bei der Gründung desselben nicht auf diesen Bruch abgesehen war. Es giebt Manche, sagt Philo (I, 450), welche die Gesetze für Sinnbilder, für Ideen nehmen, und Leztere sehr beachten, während sie Erstere vernachläßigen. Aus Manchen wurden im Laufe der Zeit Viele. Nachdem die Symbolistrung die Zeremonien verflüchtigt hatte, gab sie dieselben ganz ans. Hatten sie ihr ja nur als Schale des Kerns, als Hülle um das Wesen, als Gefäß für den Inhalt gegolten! Schon die ersten Essener machten den Anfang mit der Abrogirung der Opfer, und brachten selbst die im Gesetze vorgeschriebenen Opfer nicht.

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