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Ben Chananja · 1859-01-01 · 1 (1859) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
1 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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— 14 — der leinene Schurz, womit sie sich während des Bades aus Scham- Hastigkeit umgürteten, ihre Scheu vor dem Eide, ihre Aengstlichkeit bei der Bewegung eines Geräthes am Sabbathe, ihre Einrichtungen zu Gunsten der Verpflegung fremder Armen, die Grade ihres Ordens nach Reinheit und Heiligkeit, die Prüfungen, denen sich die Novizen zu unterziehen hatten, — diese und ähnliche Spezialitäten werden als Koinzidenzpunkte deS Essenismus und Pharisä- Ismus hervorgehoben. Andererseits führt gerade eine tiefere Betrachtung dieser Verwandtschaftselemente zu der Ueberzeugung, daß die Essäer von den Pharisäern bedeutend differiren. Um die Kluft zwischen den beiden Richtungen recht anschaulich zu machen, beruft man sich nicht nur auf den Cölibat der Essäer und auf deren Verwerfung der Thieropfer, sondern auch darauf, daß sie die Eidesleiftung ganz und gar mieden, und einen Lästerer Mose's mit dem Tode bestraften. Alles dies ist nämlich mit pharisäischen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringen. Solchergestalt theilt sich das wissenschaftliche Publikum in zwei Lager: hier hält man den Essenism für einen üppigen Zweig des pharisäischen Stammes; dort wird derselbe als diametraler Gegensatz des Pharisäism angesehen. Wir glauben, man habe sich bei der Untersuchung der vorliegenden Frage zu sehr von äußerlichen Merkmalen leiten lassen, ohne sich in den inuern Geist des Essenism gehörig zu vertiefen. Nach unserm Bedünken resultireu alle Konsequenzen der Essener ans ihrer allegorisireuden Eregese, oder aus dem Bestreben, die göttlichen Gesetze der Thora ohne alle Objektivität und Tradition auszulegeu, und dieselben nach subjektiven Einfällen zu symbolistren. Nach Philo (II, 458) wurde von ihnen zumeist nach Symbolen philosophirt; Symbolik war ihre Modeweisheit: r« nXucia dia av/ißoXuv qidoaocpsizai. Die väterlichen Gesetze, sagt Philo, waren den Essenern Lehrmeister der Ethik. Manche Essener waren von der Symbololatrie, zu welcher keine Grammatik und Sprachkenntniß, keine Geschichte und Quellenkunde, sondern nur Fantasie und Phrasenmacherei erforderlich ist, so sehr eingenommen, daß sie sich in fantastischer Schwärmerei oder eitler Ueberschätzung sogar die Gabe der Weissagung und Profetie rühmten!

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