Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 — Im nachthalmndischen Mittelalter wurde der Name Chaßtd in dreifachem Sinne gebraucht: itt ethischem, asketischem.und literarischem Sinne. Die im Thalmud begründete ethische Bedeutung findet stch in allen thalmudischen Gesetzeskompendien wieder, indem dieselben die Middath Chaßiduth des Thalmuds treu wiedergeben. Eine klare und wissenschaftliche Erklärung der wesentlichen Beschaffenheit des Chaßidäerthumes versucht der einzige Maimonides; er geht aber dabei nach seiner Weise nicht von historischem, sondern von philosophischem Standpunkte aus. An die Spitze seines ethischen Traktates (הל׳ דעות) stellt er nämlich das aristotelische Moralprinzip, dem zufolge die menschliche Tugend nach ihrer subjektiven Form darin besteht, daß man die Mitte hält zwischen den beiden Extremen, dem Zuwenig und dem Zuviel (Deoth 1, 4. Vergl. Einl. zu Ab. IV.). Zwar hat die pilpulistische Schule erst vor Kurzem mit vieler Ostentation ansposaunt, Maimonides habe ״zu seürem großen unsterblichen Werke keine andere Quelle als den Thalmud genommen". Allem der Quellenkundige wird stch dadurch nicht irre machen lassen. Vielmehr ist es klarDie מרה כיממת und der דרך אמצעי des Maimonides sind nicht aus dem Thalmud geschöpft; sie sind vielmehr identisch mit der ״Mitte" ן»70»ס§) des Aristoteles. Maimonides weiß indeß die Sittenlehre der Religion von der der Philosophie scharf zu trennen: diese nennt er מרח הכמה, jene מרת הסירות (Das. 5). Derselbe Gegensatz ^findet stch allerdings schon bei R. Tobia b. Elieser ans Worms (1080) angedeutet. Die Schriftworte: ״es träufle wie Regen meine Lehre (5. B. M. 32, 2)" begleitet nämlich R. T. mit der Bemerkung: ״Jeder Baum wird nach seiner Beschaffenheit vom Regen befruchtet. Also wirkt auch die Thora: den Einen verleiht sie Wissenschaft, zu Chaßidäern macht sie die Andern יש שמהכמת ויש שעושה אותם הסיריס (Lek. Tob. z. St.)!״ Diese Andeutung ist aber noch weit entfernt von der klaren Maimonidischen Unterscheidung zwischen philosophischer und religiöser Moral. Vom Standpunkte der Leztern preiset nun Maim. die Sanftmuth und die Demuth als Tugenden, deren Uebung durch kein Zuviel begrenzt wird (2, 3). Die Ausleger fanden in dem, was er über