Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 536 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 536 — ״Nimm diese Rose", sprach er zu dem Knaben, ״Die ich mir brach auf heil'ger Jordanau; Scheint's nicht, als hält' ich sie der Gruft entgraben? So schlaff hängt ihr das Haupt, so farblos, grau!" ״Ein reiches Leben birgt die Blumenleiche, Des Himmels Thau ruft ihren Kelch an's Licht, Vom Gruß des Regens strebt ihr Haupt, das bleiche, Zum Aether mit verjüngtem Angesicht. Und ob sie auch zurück in Nacht mag sinken, Es scheint nur todt ihr falber Blätterkranz, Nach Jahren noch will sie Erquickung trinken, Und zehnmal hüllt sie sich in neuen Glanz". ״Jezt reißt ein Sturm, wie ihn die Wüste sendet, Die Wurzel aus mit ihrer Blätter Gold, ׳ Für immer scheint ihr Blumenlauf geendet, Zu andern Leichen still dahingerollt. Doch steh', in Lhbietts Steppen rankt sie wieder Und streut von sich des Sturmes schweren Druck, Ein Tröpfchen Thau labt ihre Augenlieder, Und neu entrollt sie ihrer Dolden Schmuck". Mich dünkt, mein Volk, du bist die Jordanrose, Vom Sturm des Hasses nächtlich weggeraubt Aus deines Ruhms, ans deines Landes Schooße, Nach jedem Fall zu frühe todt geglaubt. Jndeß dich grüßt an neuer Heimath Küste Mit seinem Sonnenglanz ein neuer Tag, Und wieder schmiegst du an des Lebens Brüste Dein zitternd Haupt nach des Verderbens Schlag.