Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 11 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 493 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 493 — und Moses Mendelssohn liegende Jahrhundert (1655—1755) für Polen und Deutschland eine Zeit des Verfalls nennt °"), so kann man dies vom Standpunkte der Literaturgeschichte gelten lassen. Die Religionögeschichte muß über diesen Zeitraum ganz anders nrtheilen! Die Pilpulmethode, die gerade während dieser Zeit ihren Kulminationspunkt erreichte, hat die Geister geweckt und gestärkt. Die Neigung zum Lernen, die Lust am Denken, die Beharrlichkeit im Forschen beseelte viele Jünglinge von nicht geringer Begabtheit. Die sabbathäischen Wirren brachten die eigentlich religiösen Fragen, welche von den juridischen und rituellen Grübeleien der Jeschiboth zurückgedrängt worden waren, wieder in den Vordergrund, und führten viele zur Bibel zurück. Durch diese Faktoren, wie durch die sporadisch wirkenden Grammatiker, Mathemaliker und Philosophen war der Boden für die Aussaat der Beriiner Schule empfänglich gemacht worden, eine Aussaat, welche zunächst auf dem Felde des Jngendunterrichtes mit einer reichen Ernte gesegnet wurde. In Norddeutschland machte sich dieser Umschwang zuerst bemerkbar. Und ob auch dahin noch immer Thalmudjünger der Prager Jeschiba zu Jngendlehreru berufen wurden, so entdeckten doch die Lehrer selbst in der neuen Umgebung bald ihre Blöße, und die meisten waren bestrebt, die Lücken ihrer eigenen Bildung nach Kräften ausznfüllen. So ging es Abraham Flesch) als ihm 1774 Jakob Neustädtel in Hamburg den Unterricht seiner Kinder anvertraute. Beschämt erkannte Flesch seine Unwissenheit in allen nichtthalmudischen Dingen, und wenn er auch Hambürg nicht als Gelehrter verlies (1779), so hatte er sich doch Bibelkenntniß, einen korrekten und fließenden hebräischen Styl und auch sonst einiges Wissen angeeignet. In Mähren gehörte er zu den ersten Juden, die geläufig deutsch lasen und schrieben. Seine Kenntnisse wurden in Neurausnitz sehr geschäzt, und im Feber 1780 wurde er trotz seiner eigenen Mittellosigkeit der Schwiegersohn des reichen Gemeindevorstehers David Loschitz; 1796 war er selbst der geachtete Vorsteher seiner Gemeinde. Zwei Jahre i0) Zur Gesch, und Sit. S. 27.