Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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472 — Vergangenheit meiden müsse. Daher die Antipathie dieser Schule gegen ernste Forschung und ernste Forscher. Sie selbst, mein lieber Doktor, brechen in Ihrem offenen Briefe den Stab über den gelehrten, greisen und ehrwürdigen Rapoport, der in der Altneusynagoge zu Prag seit vielen Jahren über hasmonäische Psalmen predigt (S. 31), und über Lüzzatto, den glanbenswarmen Heros der grammatisch-historischen Schriftauslegung, weil derselbe gewagt hat תבליתם zu trennen mtb תבל יחם zu lesen (S. 15. Anm.)! Ich würde diese Ausfälle gegen Männer, welche die Zierden des österreichisch-jüdischen Gelehrteustandes sind, für vermessen erklären, wenn ich nicht wüßte, daß Sie als Romantiker die Verdienste dieser Forscher nicht zu würdigen vermögen. 3. Zum Schlüsse noch eine Probe von der dogmatischen Gediegenheit der romantischen Schute. In meinem Maftheach sage ich: ״Mose, der Sohn AmraM's, Israels erster Profer, war auch der erste Schriftsteller Jsrael's (§. 33)". Diese Worte hat die Romantik, wie Rapoport sagen würde, mit einer gewaltigen תקיעה גדולה begleitet. Hr. D1\ H. wiederholt diese Thekiah mehrere Mal mit besonderem Nachdrucke und selbstgefälliger Salbung. Vergebliche Mühe! Wären die Herren nur etwas gründlichere Dogmatiker, fie würden wissen, daß die göttliche Wirksamkeit in der Inspiration nicht so auf- ^gefaßt werden dürfe, als ob die Profeten, auf die sich der Geist Gottes niederläßt, zu willenlosen, unselbstständigen Maschinen gemacht würden, wobei alle Individualität und alte eigene Thätigkeit sich von selbst aushebt. Mose, der treue Knecht Gottes, ״mit dem der Herr redete Mund zu Mund", hörte des« wegen und trotz der haggadischen Stelle B. Bathra 15, a. dennoch nicht auf, Schriftsteller zu sein. Die Romantik hat fich in diesem Punkte sehr arg kompromittirt, und eine für Rabbinen nicht sehr rühmliche Unwissenheit an den Tag gelegt. Es entging ihr nämlich, daß im Schulchan Aruch eine Satzung enthalten ist, welche einzig und allein auf Mose's Schriftstellerthum basirt ist. Die bezügliche Satzung findet fich O. Chajjim 428, 6. Die Motivirung derselben steht Megilla 3», b: ל״ש אלא בקללות שבת״ב אבל בק' שבמ״ת פוסק;■מ״ט הללו בל״ר אמורות ומשה מפי הגבורה אמרן הללו בל״י אה׳ והשה הפי עצהו אהרן, womit der Ausspruch R. Levi's B. Bathra 9H, d. vollkommen übereinstimmt. So steht es mit der thalmudischen GelehrsaMeit der Romantiker! Und dHmoch will fich Hr. Dr. H. als Retter des traditionellen Judenthums in Ungarn geriren! Dennoch ist er über seine Bedeutung und Stellung so sehr verblendet, daß er all den großen und gebildeten jüdischen Gemeinden in Oesterreich, denen die Verherrlichung des öffentlichen Gottesdienstes eine, heilige Herzensangelegenheit ist, den Fehdehandschuh hinzuwerfen wagt*)! Doch genug. *) Offen. Br. S. 11: ״Ich glaube nämlich selbst bei Ihnen keinen Widerspruch zu erfahren, wenn ich behaupte, daß es ganz intelligente Gemeinden gebe, welche sich zur ״Cültur" der gottesdienstlichen Einrichtungen noch