Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 470 — sprechende Einrichtung haben werde, läßt sich mit aller Zuversicht erwarten. Nun lehrt aber die Erfahrung, daß die nenorthodoren Romantiker gegen ahnliche Anstalten agiLiren; deshalb scheint es uns nöthig, die öffentliche Meinung aufzuklären, und auf den rechten Weg zu leiten. Hr. H. sagt, daß er ״aus mehreren Gründen vermieden habe", von dem Breslauer Seminar ״auch nur andeutungsweise zu sprechen (S. 13)". Wie vorsichtig! Es ist ja hinlänglich bekannt, daß die neuorthodore Romantik in Frankfurt am Main gegen das Breslauer Seminar im buchstäblichsten Sinne gewüthet hat! — Sollte im Lager der-Romantik so wenig Disziplin herrschen, daß Hildesheimer weiß nennt, was Hirsch für schwarz erklärt? Ach, nein! vielmehr ist^s klar: Die Romantik will keine Wissenschaft; aber die Wissenschaft will auch keine Romantik! Wenn wir übrigens den Eisenstädter Bericht (nicht Unterricht) im Vergleiche zu den Breslauer Programmen ״armselig" genannt haben, so konnten wir an nichts anderes, als an dessen literärischen Inhalt und Gehalt denken. Denn gewiß war es nicht der Kostenpunkt, der den Hrn. Dr. H. abhielt, seinem Berichte nach allgemein herrschender Sitte eine wissenschaftliche Abhandlung voraus zu schicken. « 2. Hr. H. glaubt, für die Altorthodorie in Ungarn in die Schranken treten zu müssen. Er sagt: ״Wenn die Orthodoxie bei Rabbiner- und Vor- Handswahlen, Synagogeneinrichtungen u. s. w. ihre Stimme erhebt; so ist zwar der Kultus mit, Motiv, aber nicht einseitig und ausschließlich. .Er ist es wol an sich auch mit, aber ganz vorzüglich, in so fern er ihr die Erhaltung der religiösen Gesinnung gewährleistet. Er wird dies aber ihrer Meinung nach daun thun, wenn das Gotteshaus ein möglichst getreues Bild jener Znfluchtsörter. bildet, -in welchen unsere gedrückten und geknickten Ahnen ohne Schnüre und Tournure ihr Herz' vor Gott ausschütteten (S. 11)". Diese Stelle, welche wir buchstäblich mit der Jnterpunktation kopirt haben, ist wirklich klassisch. Nicht nur die Fassung, auch der Inhalt giebt hier die Romantik zu erkennen. Was nun die Synagogen selbst betrifft, so erinnern wir an das, was wir oben S. 438 gesagt haben. Alkein Hr. H. spricht hier offenbar ״mit" von dem Gottesdienste. In dieser Hinsicht hat er aber die Altorthodorie vol- Lends schlecht vertreten. — Diese widersezt sich dem Chorgesange aus ganz anderen Gründen! Daß diese Gründe für die neuorthodoxe Romantik kein Gewicht haben, ist freilich wahr; daß Hirsch in Nikolsburg den Chorgesang einführen wollte, von der Altorthodörie jedoch daran verhindert wurde, ist ebenfalls währ; und daß ein berühmter Rabbiner in Ungarn die Frankfurter Gesänge trotz der Approbation von,Hirsch für Sektirerei erklärte, ist nicht minder wahr. Aber alles dies beweist nur, daß die Orthodoxie und die Romantik getrennte Wege gehen. Wenn die altorthodoxen Rabbinen deutsch, läsen und verständen, so würden sie unfehlbar gegen die Deduktionen ihrer romantischen Kollegen feierlichst protestiren. Die Differenz liegt nicht nur in der Verschiedenheit des Kulturstandpunktes, welchen die beiden Richtungen eiunehmen, sondern auch in dem Umstande, daß die aus Deutschland einwandernden Romantiker keine Je-