Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543118--0473-2544163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 457 dahin, nm Getreide zn kaufen. Nur Benjamin, Rachel's Söhn, Josefs leiblichen Bruder, hielt er bet sich. In Egypten angelangt, erschienen sie vor Josef und baten nm Erlaubniß, Getreide zu kaufen; denn ohne dessen Einwilligung durfte nichts geschehen. Auch konnte man vor dem Könige nicht erscheinen, bevor man nicht Josef die Aufwartung machte. Er erkannte seine Brüder, sie aber erkannten ihn nicht; denn sehr jung kam er von ihnen weg, und die Zeit hatte seine Züge sehr verändert. Schon der hohen Stellung wegen, die er einnahm, konnten sie den Bruder in ihm kaum vermuthen. Er machte den Versuch, ihre Gesinnung zu erforsche», daher er ihnen den Getreideankaus abschlng und sie für Spione erklärte, die nur des Königs Angelegenheiten auskundschaften möchten. Sie hätten aus verschiedenen Gegenden sich zusammengerottet, und gäben sich für Brüder aus. Es sei nnwahrscheinlich, daß ein Privatmann so viele stattliche Kinder erziehe, was selbst Königen selten gelinge. Durch dieses Verfahren hoffte er Auskunft zu erlangen, wie es seinem Vater Jakob gehe; was sich während seiner Abwesenheit zugetragen habe; .was der Bruder Benjamin mache; und ob sie denselben nicht auch, wie ihn, schon aus dem Wege geräumt hätten 3). 3. Verwirrt und in Angst, glaubten sie, ihnen drohe große Gefahr. Nachdem sie sich ein wenig gesammelt hatten, ließen sie durch ihren ältesten Bruder Rüben antworten: ״Wir sind nicht gekommen, jemanden zu benachtheiligen, oder gar dem Könige zu schaden, sondern die Selbsterhaltnng während des Elends, das unser Vaterland heimgesucht hat, trieb uns hieher, auf euere Freundlichkeit bauend, weil wir hörten, daß ihr nicht nur den Eingebornen, sondern auch Fremden Getreide verkaufet und allen Hülfbedürftigen beistehet. Daß wir Brüder sind von gleicher Herkunft, 5) Die Anschuldigung des Spi'onirens war ein sehr sinnreicher Gedanke. Jedes andere Verbrechen hätte ihnen noch erlaubt, sich über den harten Vizekönig genauer zu erkundigen, was vielleicht zu seiner baldigen Entdeckung geführt hätte; aber als Spione durften sie es gar nicht wagen, »achzuforschen, wer er eigentlich sei? woher er gekommen? und wieso er zu dieser bedeutenden Würde gelangt?