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Ben Chananja · 1858-01-01 · 10 (1858) · p. Seite 441

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
10 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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— 441 — ist Thatsache. Ich bin nicht bestellt znm Lösen und zmn Binden, und darum schweige ich 1®)". Von der Absicht, zu lösen und zn binden, sind nun auch gegenwärtige Zeilen weit entfernt. Klar und gewiß ist es aber, daß die heitere und freundliche Gestalt, die man den Gräbern verleiht, mit einer wahrhaft religiösen Betrachtung des Todes und mit dem Glauben an die Unsterblichkeit der menschlichen Seele viel besser übereiustimmt, als die barbarische Verwahrlosung der Ruhestätten der Entschlafenen. Je tiefer der Glaube an die ewige Fortdauer dM« Geistes in dem Herzen des religiösen Israeliten wurzelt; je Heller die Strahlen sind, die ihm die Sonne einer andern Welt herübersendet, um seine Blicke zu erweitern und seine Thränen aufzutrocknen: desto furchtloser wird er dem ernsten Engel in's Angesicht sehen, der von Gott gesendet wird, die Erdeupilger abzurufen. Solchergestalt wird aber seinem Herzen auch die Wahrnehmung wohlthun, daß der Gottesacker nicht das düstere Bild trostlosen Grames darbietet, sondern als Dolmetscher heiterer Hoffnungen und Aussichten zu der sinnigen Betrachtung spricht. Gönnet daher immerhin dem Grabeshügel den grünenden Rasen und den duftenden Rosenstrauch! Der Sinn für das Schöne ist nicht minder als Vernunft und Gewissen, eine der herrlichsteq Auszeichnnngeil der Menschennatur. Die ansprechende Aeußernng rein menschlicher Gefühle kann nicht als sträfliche Nachäffung getadelt werden. Dem frommen Glauben, dem es heilige Gewißheit ist, daß diese Spanne Leben jenseits des Grabes sich verlängert in die Unendlichkeit hinaus, wird der Anblick blumengeschmückter Grabhügel allzeit erbaulicher erscheinen, als der Anblick grauenhafter Verwilderung. Lasset unS aber auch nicht müde werden, in trostesbedürftigen Herzen immer von neuem zn kräftigen den frommen Glauben, der dem h. Sänger die Worte in den Mund legte; ״Ich nehme den Ewigen mir stets vor Angen; denn ist er zu meiner Rechten, wanke ich nicht. Darum freuet sich mein Herz und frohlockt mein Geist, auch mein Leib wohnt sicher. Denn du wirst meine י°) Vortr. S. 88. Vcrgl. Geiger'S Ztschr. M. 214 ff. IV. 39 ff.

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