Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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439 — «mschafft, oder wenn der weite Raum eines Gottesackers, wo ganze Geschlechter neben einander ruhen wollen, in einen freundiichen Garten verwandelt wird? Gewiß ist nichts in der Welt seltsamer, als hierin verbotene Nutznießung des Gottesackers oder gar Mangel an der den Dahingeschiedenen gebührenden Achtung zu erblicken! 2. Damit soll jedoch durchaus nicht behauptet werden, daß der Blumenschmuck der Gräber von jüdisch-religiösem Standpunkte aus gefordert werde. Man würdEaber sehr irren, wenn man glaubte, daß es ein christliches Religionsgesetz sei, in dessen Folge auf christliche Gräber Blumen gepflanzt werden. Ein solches Gesetz war und ist nicht vorhanden; vielmehr sind die Blumenbeete auch auf christlichen Friedhöfen ein Erzeugniß der nenern Zeit. ״Nicht nur die Greise unter uns", sagte ein berühmter protestantischer Theolog 1826 in einer großen deutschen Stadt, ״sondern wir Alle, die wir in den Jahren des männlichen Alters stehen, und noch einen Theil des verflossenen Jahrhunderts mit seinen Sitten sahen, können uns noch sehr wol erinnern, wie bei weitem das Mehrste, was die Liebe an den Tobten und zur Ehre der Tobten that, den Anstrich der möglichsten Feierlichkeit und des tiefsten Ernstes hatte. Kinder nur und Jünglinge und Jungfrauen schmückte der Blumenkranz in ihren Särgen; von den Särgen und Gräben» des reifen Alters wurde jede heitere Verzierung entfernt: Nichts weniger als A»»fwand und Kosten scheuend war jener Ernst; in kostbare Gewänder hüllte er seine Tobten; kostbare Kleinode legte man ihnen in den Sarg; weite, feste, aus lange Dauer berechnete Ruhekainmern wölbte inan ihnen im Schoße der Erde, und sezte ihnen Denkmäler auf ihre Gräber, die nicht selten Hunderte, ja Tausende zu stehen kamen. Alles dieses aber hatte größtentheils eine finstere, Trauer, selbst Schrecken erregende Gestalt. In Schleier gehüllte Trauergestalten stellten sich meist auf den steinernen oder metallenen Denkmälern dar, Thränen vergießende Engelgestalten schwebten an den Seiten der Inschriften, entfleischte Todtengerippe und Grauen erregende Todtenschädel, furchtbare Bilder des Todes, rnit Sense und Stundenglas ausgerüstet, standen am Eingänge-der Gräber, wie wir dies noch heute an einer