Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 438 — giösen Ernstes vereinbar scheint. Allein noch viel weniger ist blinde Nachahmung nichtjüdischer Formen und Gebräuche ans jüdisch-religiösem Gebiete mit jenem Ernste zu vereinen. Die Wissenschaftliche jüdische Theologie wird sich hier der skrupulösesten Vorsicht befleißen, und bei Entscheidung der bezüglichen Fragen das ästhetische, archäologische und dogmatische Moment in reifliche Erwägung ziehen. Auch die uns vorliegende Blumenfrage wird von diesem dreifachen Gesichtspunkte aus zu betrachten sein. 1. Zuvörderst wird man es sehr natürlich finden, daß das einmal erwachte Wohlgefallen an dem Schönen sich auch an Gegenstäuden des Ernstes, an dem Erhabenen und Heiligen geltend zu machen sucht. Den nenerbauten Synagogen sucht man all die Heiterkeit und Freundlichkeit zu geben, die sich nur irgend mit ihrer Bestimmung vereinigen läßt, nnd die Genleinden sind weit davon entfernt, die Ehrwürdigkeit ihrer neuen Gotteshäuser durch jene Düsterheit erhöhen zu wollen, welche rins in der Altneusynagoge zu Prag entgegentritt. Die Sorgfalt für die Verschönerung des Heiligen ist dem Geiste und den Forderungen des Judenthums vollkommen entsprechend. Sie kann sich auf zahlreiche biblische Verordnungen berufen; im Thalnrud wird ihre Verdienstlichkeit auch theoretisch gelehrt: ״Schmücke dich vor deinem Gotte, indem dn sein Gebot erfüllst")!" Und ob auch Maimonides manche hierauf bezügliche Bestimmungen des Thalmuds 1a), zum Theil wol aus religions-philosophischen Gründen, fallen läßt, so hebt er doch die Lehre selbst auf's nachdrücklichste hervor 1a). Welcher besonnene Thevlog wird also Anstoß daran nehmen, daß der Schönheitsstnn sich auch in den Veranstaltungen kundgibt, mit welchen die Abgeschiedenen zu ihrer Ruhe gebracht werden, und welche man trifft, um ihre Ruhestätte zu bezeichnen und zu schmücken? Welcher ästhetisch gebildete Rabbine wird es tadeln wollen, wenn ein zarter Sinn den Erdhaufen, unter welchem die sterblichen Ueberreste eines theuern Wesens verwesen, in einen Blumenhügel ״) Sabb. 133, b: במצות לפניו התנאה. 1J) B. Kama, 9, b. Js. Mi-V. 7, 11.