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Ben Chananja · 1858-01-01 · 9 (1858) · p. Seite 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
9 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 430 (sequence 46)
Language
German
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— 430 — in diesem herrlichen Gotteshause, und noch vor einem Jahre sagte ein eben so hochwürdiger als hochgestellter Mann, als man ihn zu einer hiesigen Schul- Prüfung geladen: ״Mauern habt ihr, aber keine Schule!" Dudch zwanzig Jahre schrieb und las man in Ungarll die geistreichsten Erörterungelt, die wärmsten Ermahnungen und die treffendsten Satyren. Beweisgründe wurden nicht erwogen, Ermahnungen nicht gefühlt, und des!ernsten Witzes gerechter Stachel verwundete immer den, der ihn geführt. Ja, selbst das sonst so mächtig wirkende Beispiel versagte hiebei seine Kraft: die iu der nächsten Nähe der Residenz liegenden Gemeinden nahmen von den gesegneten Fortschritten der dortigen israelitischen Jnstitntionen am wenigsten Notiz. Kobersd orfer, Preßburger und Mattersd orfer Inden . liegen ein ganzes Jahr in Wien — sie wollen dort .nichts lernen und nichts vergessen. Wenn in Deutschland allseitig Synagogen und Schulen blühen, so habeu es nicht die vielen jüdischen Zeitungen erwirkt, die dort erscheinen — und nicht die Rabbinenversammlungen, die dort gehalten werden. Nein, der eigeutliche Grund hievon liegt eben in dem Umstande, welchen ich Ihnen, lieber L. H., zu erwägen empfehle. . Die seit 60 Jahren sich günstig entwickelnden innern Zustände der Inden Deutschlands wurden durch die Mendelssohn'sche Schule angebahnt. Jüdische Wissenschaft bahnte der jüdischen Kultur den Weg. Uns/ fehlt dieses Medium. Unser ״Ben-Chananja" ist nun die Fahne, unter welche Männer jüdischer Wissenschaft in Oesterreich sich schaaren sollen. Das Bibelstndium sott gefördert, in der jüdischen Geschichte soll geforscht werden '), und der Spreu wird von selbst aus dem Korne fliegen. Gelehrte Juden waren dem jüdischen Fortschritte nie günstig. Das lehrt die Erfahrung; jüdische Gelehrte haben noch unter allen Verhältnissen den Fortschritt gefördert. Krochmal, Rapoport, Mises und selbst Hirsch Chajes haben in ihrer polnischen Tracht und echt altjüdischen Art und Lebensweise, durch ihre Forschüngen nnd Leistungen das in Galizien vorbereitet, wonach wir in Ungarn so lange vergebens streben, bis unsere jüdischen Landsleute Achtung vor der jüdischen Wissenschaft erlangen, bis Werke jüdischer Gelehrten zu den Zierden ihrer Wohnung gehören, bis man jüdische Gelehrte, wenn selbe auch nicht schön zu reden verstehen, ihrer Forschungen wegen achten — und zur Herausgabe, Verbreitung und Benützung ihrer Werke behülflich sein wird. ') Nicht nur die ausschließlichen Pilpulisten, auch die jüdischen Romantiker scheuen den Pragmatismus unserer Geschichte. Der bei Herausgabe dös als bereits vorhergehend angeküudigte erste Band!הוריו־, welcher die Geschichte Israels enthalten sollte, "wird so lange auf sich warten lassen, als der Verfasser des Choreb das System der süßelnden Fadesse beibehalten wird.

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