Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 9 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543117--0442-2544131- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 427 — zu ohnmächtig, um auf die Verbesserung der gegenwärtigen Zustände faktischen Einfluß zu üben, diejenigen aber, in deren Macht es stünde, gemeinnützig zu wirken, lesen Alles eher als Schriften, die über oder für das Judenthum geschrieben werden; auch kann dem noch jungen und zarten ״Ben-Chananja" wol nicht zugemuthet werden, daß er die unwegsamen Pfade der unwirthlichen und rauhen Karpathen überschreite und Worte der Ermahnung und Ermunterung Ohren predige, die seine Sprache nicht einmal verstehen. ׳Wenn ich aber dennoch, במקום שאין איש, als Berichterstatter ans Galizien in dieser Monatsschrift anfzntreten nur anmaße, so möchte ich blos das Augenmerk junger, thatkrästiger Theologen einem Gegenstaüde znwenden, der ihrer Aufmerksamkeit würdig und ihr Interesse in hohem Maße zu erregen geeignet ist; ich meine das Rabbinatswesen in Galizien. Bekanntlich dürfen, laut Statthaltereidekretes vom 7. Juli 1836, in Galizien nur universitätsmäßig gebildete Rabbinen angestellt werden, und wer-, den in Folge dessen zur Besetzung vakanter Rabbinatsstellen von Zeit zu Zeit behördlicherseits Konkurse ausgeschrieben. Leider bleiben solche KnnkurSausschreibnngeu in der Regel erfolglos, weil keine Offerte von Außen ein laufen. Jn Ermangelung eines Bessern werden nun die bis jezt ansnahmsweise genehmigten Individuen provisorisch auf fernere drei Jahre bestätiget, und da sich diese den galizischen Zuständen schädlichen Provisorien mit dem Schluffe eines jeden Trienninms von Neuem einer fernen: behördlichen Bestätigung erfreuen, so kommen wir ans dem Provisorium nie herans, während die Unzeitgemäßheit und Schädlichkeit solcher Zustände für die Gesammtheit immer ernster und allgemeiner gefühlt wird. Wie läßt sich aber diese auffallende Theilnahmslosigkeit Seitens der auswärtigen Rabbinen und Rabbinatsaspiranten erklären? Es ist Thatsache, daß die echten und rechten Volkslehrer in Israel — und das sind ja und das sollen, ja unsere Rabbinen sein — keine Sinekuren suchen, daß nnermüdetes und rastloses Arbeiten an der Hebung dieses so tief herabgekommenen und doch so hoch stehendem Volkes ihre Lebensaufgabe ist; ich möchte daher an jeden der Männer, die die ganze Energie jugendlichen Feuers und feuriger Begeisterung dem Studium thalmudischer und rabbinischer Schriften, so wie weltlichen Wissenschaften widmen, die das hehre Bewußtsein, bei der Abtragung des mittelalrerlichen Gerölles und Schuttes selbst mitzuarbeiten, die größten Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden macht, an jeden dieser wackern> zukunstsbegeisterten Jünger der Neuzeit möcht' ich daher die Frage richten: למה תעמוד ברחוק? Warum richtet Ihr nicht Euer Augenmerk ans Galizien, wo es so viel für Euch zu arbeiten und zu wirken giebt? Das höchste Ziel Eures edlen Strebens, hier habt Ihr es! Hier ist der Weinberg ans fetter Bergspitze, empfängliche, bildungsfähige Elemente in Fülle; grabet ihn um, daß der alles Heilige zerfressende Zahn des Jndifferentismus nicht auch dieses Land durchwühle; reiniget ihn von den Steinen des finstern Aberglaubens, die