Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 8 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 374 — spräche und in ihre etymologischen Entwickelungsgänge gedrungen sein. Es ist eine irrige Ansicht, wenn man da meint, daß man in der Elementarschule den Unterricht in der Muttersprache, weil es ja die Muttersprache ist, ohne gründliche Sprachforschungs-Kenntnisse mit gutem Erfolge ertheilen könne. Gerade in der Elementarschule, wo man dem Anfänger Sinn und Gefühl für die Muttersprache erst erschließen und den Sprachschatz beibrittgen muß, muß der Lehrer den historischen und daher auch nätürlichen Entwickelungsgang der Sprache kennen und klare Anschauungen über die Uebergänge der Wortbedeutungen haben. Je richtigere Begriffe hierin den Schülern beigebracht werden, auf einer je breitem Basis der Sprachunterricht ruhet, desto sicherer werden auch die Erfolge der andern Unterrichtsgegenstände sein. Denn die Sprache ist das Medium des ganzen Schulunterrichts, ist die Pforte, durch die das Wissen in die leeren Räume des kindlichen Gemüthes und Verstandes einzieht. Die Erfolge in dem Sprachfache können auch daher als der untrügliche Gradmesser der Leistungen der Schule überhaupt angesehen werden. Daß das Institut die ihm anvertrauten Zöglinge nicht nur unterrichtet, sondern auch erzieht, ist in der Einrichtung desselben begründet; ich habe nur zu bemerken, daß die Erziehung auch eine religiöse ist und auf die Kinder den wohlchätigsten Einfluß übt. Der Glaube an Gott, daß von seiner Hand alles ausgeht, was uns Freude oder Kummer macht, und daß> wir für jeden Unfall in uns selber das Verschulden suchen müssen, wurzelt fest in ihrem Gemüthe. Der Herr Direktor erzählte mir, daß diejenigen Zöglinge, denen die von ihnen angebauten Pflanzen in den ihnen zugewiesenen Beeten des Jnstitutsgartens mißrathen, es .von selbst der Lauheit in der Ausübung eines religiösen Gebotes zufchreiben. So geht hier die intellektuelle Ausbildung mit der moralisch-religiösen Hand in Hand, und wir können mit der freudigsten Zuversicht herrliche Früchte von der Anstalt erwarten, die so augenfällig den trostreichen und auf- -munternden Beweis liefert, daß jedes wahrhaft humane Unternehmen, wenn auch noch so klein begonnen, unter dem Schutz und Schirm des Allmächtigen zu einem segensreichen Bcutme sich entwickelt. Du, lieber Leser, wirst gewiß deinen innigsten Wunsch mit dem meiuigen vereinigen, daß Gott die edlen Gründer, Förderer und Lehrer der Anstalt Mit seinem reichen Segen belohne; dp wirst aber auch hoffentlich dem Wunsche beipflichten, der bei meinem Abschiede von diesem Asyle in mir aufstieg: Wenn doch auch alle unsere voll-sinnigen Kinder so unterrichtet und erzogen würden! Nachbemerkung. Es dürfte nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, sondern auch mit der Zeit sogar von praktischer Wichtigkeit sein, von thalmudischem Standpunkte die Frage!zu beantworten: ob auch auf einen wohlunterrichteten Taubstummen die in amsern Kodizes verkommenden, ausschließenden Bestimmungen Anwenbang -finden. Beispielsweise verweise ich auf : Ä. -D. 1, H; E. E. 44, 1; 1L3, 4 .31 ,441 .1׳M, W; L). Eh. SS, 8. SW, 2; Eh. W. M, 14. .444, S. Mt