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Ben Chananja · 1858-01-01 · 8 (1858) · p. Seite 373

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
8 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 373 (sequence 37)
Language
German
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373 — nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich veredlende und verschönernde Kraft eines guten Unterrichtes wahrzunehmen. Mittlerweile war es Abend geworden״ und ich wollte den braven Schülern nicht länger ihre׳ wohlverdiente Erholung entziehen. Um den Kindern ein unschuldiges Vergnügen zu bereiten, ließ ich ihnen durch den Herrn Direktor Geld anbieten; aber einer derselben antwortete mir mit stolzem Selbstbewußtsein : Wir brauchen kein Geld. Dieser erste Besuch war für mich so genuß- und lehrreich, daß ich, nachdem ich dem Herrn Direktor mtb den andern Lehrern meine volle Anerkennung und Bewunderung ausgesprochen hatte, erstern um die Erlaubniß bat, das Institut nochmals auf einen halben Tag besuchen zu dürfen, was mir auch freundlich gewähr! wurde. Dies war an einem Sonntage. Den darauf folgenden Mittwoch Nachmittag kam ich zum zweiten Mal. Der Herr Direktor bedauerte es, daß für diesen halben Tag lauter mechanische Gegenstände an der Reihe waren; indeß boten auch diese des Interessanten genug. Vier Lehrer waren in vier Gruppen von Kindern mit dem Hebräisch-Lesen, in allen Abstusungen, und ein fünfter mit Zeichnen beschäftigt. Der Lehrer für das lezte Fach ist, wie mir der Herr Direktor sagte, selbst Zögling des Instituts und zugleich ein talentvoller Akademiker. Seine Leistungen an den Zöglingen konnte ich nicht beurtbeilen, da ich von dem Zeichnen sehr wenig verstehe; indeß fand ich manche Arbeiten sehr nett und hübsch. Desto mehr Aufmerksamkeit konnte ich dem Hebräisch-Lesen schenken, und ging voll Bewunderung von einer Gruppe zur andern. Die Armen sitzen alle in einem Zimmer, lesen laut und deutlich, ohne sich zu stören. Bis auf die etwas stotternde Aussprache einiger harten Laute, Lesen die Zöglinge, Knaben und Mädchen, sehr gut das Hebräische. Ich habe zwar noch nie ein anderes Taubstummen-Jnstitut besucht, und weiß daher nicht, ob und wie weit ähnliche Anstalten ihren Zöglingen das Sprechvermögen beizubringen wissen; aber wie mir Sachkundige versicherten, habe kein anderes solche Leistungen hierin aufzuweisen. Es dürfte dies auch ein Grund sein, das Institut so viel als möglich zu fördern, da es in einem Zweige des Unterrichts einen so schönen Fortschritt angebahnt hat. Zum Schluffe nahm der Herr Direktor noch Stilübungen vor. Ich selbst stellte die Aufgaben, und die Arbeiten schienen mir so vortrefflich, daß ich mir dieselben von dem Knaben, der sie zuerst mit Griffel auf die Schiefertafel schrieb, auf ein Blatt Papier abschreiben ließ und mitnahm. Bis aus einen Endungsverstoß wurde an beiden Arbeiten keine Ausbesserung vorgenommen. Ueber den stilistischen Werth derselben enthalte ich mich jeder Bemerkung; bitte aber jeden Elementar- und Hauptschullehrer, sich offen und wahr zu sagen, ob er mit seinen vollsinnigen Schülern auch solche Erfolge aufzuweisen im Stande wäre, und kann er dies, so wollen wir auch ihn zu den wackern Schulmeisteru zählen. Freilich muß man aber auch, wenn man solche Erfolge im Sprachfache erzielen will, wie der Herr I. Deutsch, in die geheimen Schachten der Mutter-

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