Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 7 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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— 332 es mit sich, daß sie manche.Kenntnisse besitzen, deren sie als Lehrer leicht entrathen könnten, und daß sie anderer Kenntnisse und Fertigkeiten gar sehr bedürfen, ohne sich dieselben angeeignet zu haben. Altes dies ist nicht zu andern und daher auch nicht nutzlos zu bekritteln. Meine Bemerkungen und Rathschlage gelten lediglich den jüngeren Lehrern und besonders den Präparandistem Gegen euch, meine jungen Freunde, wird man minder nachsichtig sein. Ob ihr französisch und italienisch verstehet, oder ob ihr Buchhalter seid, werdet ihr in der Zukunft nicht gefragt werden. Auch werdet ihr's mit Gottes Hilfe nicht nöthig haben, Sprachmeister zu sein und Buchhaltung zu unterrichten, um eure Subsistenz gu sichern. Dagegen werden eure Vorgesezten darauf dringen, daß das Fachmannsystem in euch verwirklicht sei. Betrachtet daher keinen Gegenstand, der in der Präparandie gelehrt werde, als entbehrliche Nebensache. Bitdet euch in jedem Fache aus, so weit es Zeit und Kraft nur gestatten. Habet nicht dabei den Schulunterricht der Gegenwart, sondern den der Znkunst vor Augen. Meinet nicht, daß der Zeichen- und Gesangunterricht auch fortan aus den Schulen verbannt bleiben wird, weil er jezt aus vielen jüdischen Lehranstalten verbannt ist. Ganz besonders bitte ich euch im Interesse der Schule und der Synagoge, auf den Gesangunterricht nicht mit vornehmer Miene herabzuschauen. Besuchet einmal die k. k. Musterhauptschule zu Pesth, und ihr werdet euch überzeugen, daß daselbst jeder Lehrer in seiner Klaffe den Gesangunterricht mit Lust und Liebe ertheilt. Auch ist es ja nicht so schwer, sich so viel musikalischt Kenntniß anzneignen, um in einer Volksschule den Gesang zu lehren. Der Gesangunterricht ist in jüdischen Schulen freilich eine Neuerung, aber die Neuerung ist nützlich, heilsam, zeitgemäß, und wird von den Schulgesetzen, die auch jüdischen Schulen heilig sein müssen, dringend gefordert! — Wien, im Juni 1858. Hochgeschäzter Herr Redakteur! Erlauben Sie mir gefälligst, diesen Brief gleichsam als poste restante in Ihre geschäzte Monatschrist niederznlegen. Ich habe keine bestimmte Adresse für ihn, und muß mich daher begnügen mit der Hoffnung: derjenige, für den er geschrieben ist, werde ihn schon abholen. Vor wenigen Monaten verbreitete sich in meiner Vaterstadt .... das Gerücht, daß der Kultüsvorstand einen Gottesdienst mit Choralgesang einzuführen gedenke, wie er seit Dezenien schon in so vielen Gemeinden unseres Vater- Landes besteht. Meine erste Empfindung bei dieser Nachricht war eine traurige. Nicht, als wenn die bisher,in nnserm Bethause bestandene Einrichtungen mir besonders erbaulich schienen, sondern es ist die Macht der Gewohnheit, die sich in mir alterirte. Die Gewohnheiten, mit denen wir aufwachsen, sind uns lieb; die Räume, in welchen wir in der Sonnenwärme elterlicher Liebe gelebt, gelernt, gespielt, gelacht und geweint haben, bieten uns so theure Erinnerungen, und jede Uebersiedlung, selbst in eine glanzvolle Sphäre, erfüllt uns mit Wehmuth, um so stärker, wenn sich zugleich in uns ein Skrupel erhebt, ob wir denn auch recht thun? ob etwa hier der Auszug nicht sündenhaft, ob dort der Einzug auch gottgefällig sei? Ich besuchte mehrere Freunde, die mit mir in stfÜfe■