Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 7 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 329 — zur Andacht weckenden Ton der Musik ist ein großer Unterschied. Doch wollen wir Herrn vr. Frankel dieses Resultat weder zum Verdienste noch zur Schuld anrechnen; er sprach wahrscheinlich für die sogenannten Orthodoren, oder eigentlich Piutim-Verehrer. Es ist mithin zu erwarten, daß, wenn dieselben es so forttreiben, wie sie es in neuester Zeit gethan, alle Rücksicht auf sie beim Vorstände aufhören, und der Gottesdienst den Zeitbedürfniffen gemäß gestaltet werden wird. . . . n : , II. Wien, 16. Juni. Ueber das Innere unseres neuen Tempels, so wie über das Aeußere der gestern Abends ’) vollzogenen Cinweihungsseierlichkeit haben Sie ans den Journalen Ansführliches erfahren. Um jedoch Ihrem ausdrücklicheu Wunsche zu entsprechen, will ich Ihnen gerne mit folgender'Nachlese dienen: Die Feierlichkeit begann um 5J/4 Uhr. Unser Rabbiner, Hr. Lazar Horowitz, begrüßte die Gemeinde von der vordem Kanzel aus; die Hintere Kanzel steht auf der obersten Stufe vor der h. Lade. Hierauf trat der Rabbiner an das herrlich gearbeitete נר תמיד, welches er unter dem Lobspruche שרזרזעו zum ersten Male anzündete. Nun ertönt auf dem zweiten Emporium, der h. Lade,gegenüber, ein Instrumental-Präludium, und das מח .טובו wird von unserm Oberkantor Sulz er gesprochen. Die Instrumentalmusik ertönt zum zweiten Male. Die Prediger, die Gemeindevorsteher und Beiräthe und der Kantor schreiten dem Eingänge des Tempels zu. Der Chor beginnt unter Instrumentalbegleitung den von dem Kantor des neuen Tempels, Hrn. Julius Sulz er, in Musik gesezten 24. Psalm. Während des Gesanges trugen die genannten Herren, denen Fackelträger vorangingen, 12 reich geschmückte Thorarollen der h. Lade zu. Ich bin kein Musikkenner. Ich muß daher die kritische Beurtheilung der Composition Männern von Fach überlaffen. Auf mein Gemüt wirkte dieser Psalm mit mächtiger Gewalt. Die vom Compositeur im schwellenden, die weiten Räume erfüllenden Baritone vorgetragcne Frage מי יעלה Ti בהר muß auf jeden, der die Sprache Davids versteht, einen tiefen Eindruck gemacht, ja sein Inneres mit einem heiligen Schauer erfüllt haben. Um so wohlthätiger wirkte die Antwort: נקי כפי□ לבר לבבי/ welche von Sopranstimmen in der lieblichsten und weichsten Melodie vorgetragen wurde, und wie Engelsruf aus Himmelshöhen erklang. Die Einweihungspredigt des Herrn vr. Jellinek, an welche jezt die Reihe kam, war dem Momente angemessen: nicht belehrend — wie er selber sagte — nicht ermahnend, sondern den Gefühlen der anwesenden Gemeinde den Ausdruck leihend. Der Tert war Ps. 100, 4. Der erste Theil, die wesentliche und geschichtliche Bedeutung der jüdischen Gotteshäuser, reich ausgestattet mit glücklich gewählten Midraschstetlen, war vorzüglich. Dagegen verfehlte der an חצרותיו בתהלה anknüpfende dritte Theil, wie ich glaube, deßhalb seine Wirkung, weil die in jüdischen Kanzelreden ungewöhnliche und dem jüdischen Geiste ') Am Vorabende des Geburtstages Jos. d. Medigo's (ISA)!