Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 7 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Herr Kultischer aus Nikolsbnrg, der vor Iahten denschöttett Menschensrenndlichen Gedanken dazu inmitten einer atmen Gemeinde, in einem rmscheinbaren Lokale in's Leben ries, bewährte sich als eben so klug als scharfblickend, als er seine edle Pflanzung, in den Boden der Wiener Gemeinde versetzte. -Bestrahlt von des Geistes Licht, durchdrungen von der milden Herzenswärme, die unfern Wiener Juden so eigenthümlich ist: mußte sie hier zn einem segensreichen Baume werden, in dessen Schatten Hunderte der vom Mißgeschicke am schwersten Betroffenen Schntz und Labung finden. Es waltete aber auch eine besondere Gunst der göttlichen Vorsehung über diese Anstalt, daß die erste Wahl eines Lehrers ans einen Mann fiel, der Mit dem seltensten angebornen Talente den edelsten Mnth, den rastlosesten Fleiß und den redlichsten Eifer, verband,, um die Anstalt Ln . den Augen der Welt in ihr wahres, herrliches Licht zu setzen, und dadurch zu so großer Opferwilligkeit anzueisern. Wenn es wahr ist, daß zn allen Zeiten ״die Kunst durch die Künstler gesunken ist"; oder, wie es leider in unfern Schuten so oft der Falt ist, daß die heilsamsten Anstalten durch ihre Leiter in Mißachtung gerathen: ׳ so hat Herr Joel Deutsch, Direktor und Lehrer dieses Taubstummen - Institutes, seiner Seits den Gegensatz bewiesen, daß die Kunst durch ihre Jünger gehöben wird. Wir können von der Anstalt nicht scheiden, ohne unserer Pflicht'gegen einen andern Mann zu genügen, dessen Verdienste um dieselbe unvergänglich sind. Wir meinen Herrn ML. Kanitz, Mitglied des würdigen Vorstandes der Anstalt. Begünstigt durch seine soziale Stellung, sparte er weder Zeit noch Kraft, um das finanzielle Gedeihen des Institutes zn erzielen, und seiner Thatigkeit nach alten Richtungen hat dasselbe zunächst Bestand unb Wohlstand zu verdanken. Wenn wir uns mit der Nennung dieses geachteten Namens begnügen, soll dadurch den Verdiensten der übrigen, namentlich der weiblichen Vorstands- Mitglieder kein Abbruch geschehen; aber wir Menschen sind Nün einmal in Zeit und Raum beschränkt! — Indem ich mir einen ansführlichen Bericht über dieses Institut für die Zukunft Vorbehalte, will ich nun zu den zwei andern übergehen. Nach den Forderungen der Chronologie kommt nün die Reihe an die feierliche Einweihung der nenerbaNten Lokalitäten der K i n derbe w-ah r - A n- .statt, am 16. Mai d. I. — Schon der Anblick des stattlichen einstöckigen Hauses macht auf den Freund der Jugend einen wohlthnenden Eindruck. Dieser Eindruck wird noch bedeutend erhöht, wenn man aus der schönen geräumigen Vorhalle in die großen lichten und lustigen, mit biblischen Sprüchen gezierten Lehr-, Spiel- und Arbeitssäle eiutritt. Dem Eintretettden dringt sich unwillkürlich ein Segenssprnch aus die Lippen für die Frauen Vorsteherinnen, welche das schwierige Geschäft des Kollektirens in den Häusern nicht scheuten; und ein zMiter Segensspruch Jenen, welche'durch großmüthige Spenden die Mittel zu diesem schönen Werke der Menschenliebe so reichlich boten.