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Ben Chananja · 1858-01-01 · 7 (1858) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
7 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 321 (sequence 33)
Language
German
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— 321 — schaffen; unsere Armen sind nüchtern. Sie wissen, daß sie - wenn sie schon Alles verloren, noch nicht verloren sind , so lange sie im Besitze ihres Verstandes, so lange sie im Besitze der Liebe und Achtung ihrer Angehörigen sind. Je weniger sie ihren Angehörigen leisten können, desto inniger schließen sie sich an dieselben! Die Faulheit, welche ebenfalls häufig bet denjenigen eintritt, die ihre Thätigkett so wenig belohnt finden, kennt der arme Jude nicht. Je ärmer, desto thätiger. ES ist ihm keine Last ןן groß, durch welche er das Loos der Seinen erleichtern könnte. Nichts ist ihm so schwer und drückend, als der Vorwurf, nicht genug thätig zu sein! Wer kennt hier ein Weib eines jüdischen Armen, welches durch häusliche Noth arm geworden wäre an Sittlichkeit und Treue, das ihren Manu sioh oder verließ, weil ihn das Glück floh oder verlassen? Ja, es ist keine Uebertreibung, wenn man von den jüdischen Frauen sagt, daß sie durch Armuth nur reicher werden an Anhänglichkeit — und daß sie ihrem Manne um so eher Alles sein wollen, je weniger Angeuehmes er sonst im Leben hat! — יאה כלסכונתא לברת׳ דיעקב כערקא יסומקא ברישא דסוסא חיורא. — sagt der Midrasch!— Wenn ich in den MitternachtSsiunden, oder lange vor dem Anbruche deS Tages zu Kranken geholt werde, und, durch die stillen Gassen gehend, in die spärlich beleuchteten Wohnungen jüdischer Armen einen Blick werfe und sehe, wie da manche Familienväter selbst am Brodtroge arbeiten, dessen Erzeugniß den Seintgen Brod giebt; manche jüdische Handwerker noch oder schon arbeiten; jüdische Mütter mit ihren Töchtern an Wäsche nähen, die sie für spärliche Bezahlung den Wohlhabenden nie genug schön nähen können; wenn mir, was fo oft geschieht, in später Nacht, bei der schlechtesten Witterung, die Wagen begegnen, auf welchen arme jüdische Handwerker ihre Produkte zn Markte führen; — wenn ich eS so häufig sehe, wie Reinlichkeit, Thätigkeit und Sittlichkeit dort zu Hause sind, wo selbst alles Glück geschwunden, da rufe ich mit unseren Weisen: Groß ist die Würdigkeit jüdischer Armen! — Aber auch das Wohlthun ist unter «nS Juden nicht selten dort zu Hause, wo eS die Wohlhabenheit am wenigsten ist. Was BeB-Cfcuiaoja 1888. TU. 21

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