Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 7 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 319 — unserem Vaterlande — sich von der einfachen Himmelskost des ihnen verkündeten göttlichen Wortes, von der trockenen, leichtverbaulichen Seelenspeise der Predigt um so weniger befriedigt sühlen, als die Ansprüche an die Kanzel heute um so gesteigerter find und der Nachgeschmack der frühem gewürzten, pikanten und kräftigen Draschahkost noch in frischem Andenken geblieben, und darum der oft vernommene Schrei nach ״einer jüdischen Draschah". Dieser Wunsch kann aber nur durch eine vortrefflich erklärten und׳ angebrachten Bibel- und Midraschstellen gezMe und gewürzte Rede befriedigt werden. Dann wächst das Interesse für diese um so mehr, als sie so heiliger, nationaler, ja ״jüdischer^ erscheint. Man könnte zwar gegen diese Methode einwenden, daß der Zweck der Predigt da verloren ginge, indem der Zuhörer eher seinen Geist, als sein Gemüt zu erquicken und zu erfrischen in's Gotteshaus käme, die Predigt mehr mit dem Verstände als Gefühle anhörete, und oft nicht als Belehrter und Ermahnter, sondern als Kritiker und Kunstrichter dastände; hat denn aber die Predigt nicht auch so vielen Anforderungen und Regeln der Redekunst zu entsprechen, daß der Kritiker nicht auch da ein so großes Feld für seine Kritik finden könnte? Muß nicht überhaupt jedes Wort und jeder Gedanke, der in unser Herz Eingang finden soll, ungehindert seinen Weg durch die Vernunft nehmen? Und wie oft wirkt ein Passend angebrachtes Wort, ״diese goldene Frucht in silberner Einfassung", mehr als stundenlange Reden!.... Du aber, mein geschäzter Ben-Chananja! der du, das Organ für jüdische Theologie zu sein, und alle Fragen und Interessen derselben aufzunehmen bestimmt bist, mögest auch diesen Gegenstand deiner Besprechung würdig halten. Mögest dn Stimmen und Ansichten zur Lösung dieser wichtigen Frage sammeln. Ich kann schließlich die Aeußerung eines Wunsches nicht unterdrücken, der, ich zweifle nicht, so vielen meiner Collegen aus der Seele gesprochen ist. Möge der löbl. Israel. Kultusgemeinde- Vorstand zu Pesth, welcher eine seltene hochherzige Liebe und Verehrung für den unvergeßlichen Schwab s. A. an den Tag leget, ihm noch ein unvergängliches Denkmal durch die Herausgabe seiner Draschah's und Reden unter der Redaktion sMes Sohnes