Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 278 — Lassen nichts sehe, als Eifer und Begeisterung für das Altüberkommene; während ich die lobenswürdige Aengstlichkeit bewundere, mit welcher man hier den Kitt sucht, um selbst das morsch Gewordene brauchbar zu machen: giebt es doch auch Leute, die in ihrer Kurzsichtigkeit meinen, es könnten viele Dinge hier anders und — besser sein; und in ihrer Tadelsucht unterschieben sie sogar dem heiligen Eifer — profane Motive! Ja, sie entblöden sich nicht, die offenbare Pietät als eine bloße Decke zu verdächtigen, unter welcher Gesinnungen liegen, die gar nicht jenen Namen verdienen. Kaum hatten unlängst die frommen Synagogen-Vertreter das an sich gewiß unschuldige ״Schulklopfeu" wieder einznführen versucht; als sich ein Zetergeschrei erhob, welches das monotone Geklavper fast unhörbar machte, als wenn den Thoren durch das Klopfen ein Schaden zngefügt würde. Ein alter sehr gelehrter Rabbi sagte mir, das Klopfen überhaupt sei nicht ganz ohne rituelle Bedeutung, wie ja das Hamanklopfeu beweist. In meiner friedlichenden Natur will ich mich in diese Klopffechterei gar nicht einmischen. Unsere wackern Kultnsvorsteher haben einen Chasan engagirt, der sich als ein wahrer Schatz bewährt. Er sollte in früher Zeit schon einmal ans den Bretern singen; er ist aber nicht ״zu Bret" gekommen. Von seiner Stimme läßt sich sagen קול ברמה נשמע; er hat Mozart und Strauß, Haydn und Lanner gleichsam im Hals. Er hat die schöne Eigenschaft, nicht musikalisch zu sein, daher ec einen Chor weder einüben noch leiten kann. Durch sein Engagement also schlagen wir das sündhafte Gelüste nach einem Chorgesang in hiesiger Gemeinde gänzlich zu Boden. Die Aufnahme eines Chasan, der weder selbst componiren, noch die Compositionen der Tempeltonsetzer benützen kann und darf, ist für die Jugend von moralischem Nutzen. Der Chasan ist nämlich gezwungen nach dem Gehöre die schönsten Opernstücke zu benützen. So werden die jungen Leute abgehalten, in das Theater zu gehen, weil sie Operarien in der Synagoge umsonst hören können. Während man hier religiöse Scrupel hat und sich zur Errichtung einer Mnsterschule so schwer entschließt; nehmen Einige doch die Backen voll des Lobes für eine Pesther Knltuögemeinde, wo man sich beeilte, eine Mnsteranstalt in's Leben zu rufen, welche ohne Zweifel jene ״Mängel" hat, die wir so gern ״vermeiden" möchten. Ließe ich mir es also beikommen, die hiesigen Zustände zu loben, würden die Antagonisten dies nur Lächerlich finden, und vielleicht gar in einer Po- Lemik mit mir auzubinden suchen. Ich bin aber viel zu friedliebend, um es darauf ankommen zu lassen. Anstatt mich mit dergleichen Angelegenheiten zu befassen, fordere ich Dich, mein sehr gelehrter ״Ben-Chanauja", auf, mir in einer Prinzipienfrage Bescheid zn geben. — Im Jahre 1847 habe ich irr einer Anmerkung zu meinem Benjamin Cohn S. 77 die Bar mizwah als eine Zeremonie dargestetlt, die den Knaben bloß in ritualer Beziehung selbstständig erklärt, indem sie den Eltern die Nesponsabilität abnimmt. Ein neuerlicher Vorgang zeigte jedoch,