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Ben Chananja · 1858-01-01 · 6 (1858) · p. Seite 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
6 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 270 (sequence 30)
Language
German
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— 270 — „Wer ist weise? Wer die Zukunft zu Käthe zieht". Ein Wort zur rechten Zeit von vr. M. Drrschak, Bezirksrabbiner zu Gaya. Sie gestatten mir wol, in dem geschäzten „Ben - Chananja" einen Gegenstand in Anregung zu bringen, dessen Wichtigkeit nicht heiß genug den frommen Glaubensbrüdern an das Herz gelegt werden kann. Der Tod des Herrn Rabbiners Löw Schwab, dieses in allen Kreisen mit Recht berühmten und betrauerten großen Gottesgelehrten, hat seiner Zeit bei alten Glaubensgenossen die innigste und aufrichtigste Theilnahme erregt, und Jeder hat zunächst diese Theilnahme aus die jammernde Witwe und die zagenden Waisen übertragen. Dank der Hochherzigkeit der Gemeinde zu Pesth, die, wo es gilt zu helfen, edle Stiftungen zn begründen und heilsame Werke ins Leben zu bringen, allen Gemeinden zum Vor- und Musterbilde dienen kann! Sie hat auch bei dieser traurigen Gelegenheit ihre Opferwitligkeit bekundet, indem sie für die trauernd Zurückgebliebenen großmüthige Sorge trug. Nichtsdestoweniger hat es Erstaunen erregt, daß ein Pesther Oberrabbiner nach so vieljähriger Amtsverwaltung, ohne Vermögen zu hinterlaffen, von dannen schied, daß man daher für die brodlos gewordene Familie ein Unterstützungs-Comit6 constituiren mußte! Dennoch war es so. Ein gleiches Loos hatten vor ungefähr 15 Jahren die Hinterlaffenen des Großrabbiners des Zentralconsistoriums zu Paris. Bei seiner Beerdigung mußte für die zurückgelaffene arme Familie eine Sammlung veranstaltet werden. — In meiner Nähe, in der kleinen, mittellosen Gemeinde Ko ritsch an, starb vor vier Monaten der greise Rabbiner. Das düstere Bild einer nun bettelnden Witwe tritt vorwurfsvoll vor unsere Augen. Die dortige Gemeinde macht alle Anstrengungen, um im lausenden Jahre die Noch fern zu halten; in dem nächstfolgenden Jahre sind die Witwe und die Waisen auf die Mildthätigkeit guter Menschen hiugewiesen. Pesth und Ko ritsch an! welcher Unterschied! Dennoch starben die Rabbinen beider Gemeinden ohne ihre Witwen und Waisen versorgen zu können. Der Tod hat da auf eine frappante Weise ausgeglichen. Trauriges Loos! — — Theure Amtsbrüder! Lasset uns das Schicksal unserer geliebten Angehörigen zu Herzen nehmen! Bedenken wir doch, was ihrer harret, wenn wir früh oder spät nach dem Willen des Herrn unserm irdischen Wirkungskreise entrückt werden! Wie schwer muß uns die Erde dünken, die einst unsere sterblichen Ueberreste deckt!

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