Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1858-01-01 · 6 (1858) · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
6 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543107-2543114--0264-2543950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 252 lauteten die Worte R. Jonathan's wie folgt: Drei Sprachen giebt es: Die römische taugt zum Kriege, die griechische zur Beredsamkeit, die hebräische zum Gebete * *). Diese Aussprüche scheinen einen geschichtlichen Hintergrund zu haben. Die Bewohner Palästina's bildeten nämlich in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung ein buntfarbiges Gemisch verschiedener Nationalitäten. Jede dieser Nationalitäten mochte den Wunsch gehegt haben, ihrer Sprache den Vorrang eingeräumt zu sehen. R. Jehuda erkannte nur dem Hebräischen und Griechischen Berechtigung zu; R. Jonathan wollte auch das Lateinische und Syrische berücksichtigt wissen. Mindestens erklärt sich nur bei dieser Auffassung die Beziehung, in welche R. Jonathan seine Sprachencharakteristik mit dem Schristverse Ps. 31, 21, bringt, indem er den lezten Hemistich auf folgende Weise deutet: Birg sie (die dir vertrauen) in einer Hütte vor dem Streite der Sprachen! So viel ist jedenfalls klar, daß die Gesetzeslehrer dieser Epoche, welche bis zum Erlöschen des Patriarchates (429) reicht, die griechische Sprache achteten. Von dem fleißigen Gebrauche derselben geben die Wörterbücher und die neuesten Forschungen Zeugniß, denen sich unsere „Beiträge zur thalmudischen Sprachforschung und Alterthumskunde" anreihen. Die lezte, reaktionäre Wendung gegen das Griechische trat nach dem Erlöschen des Patriarchates ein, wo der Verkehr mit römischen Großen allmälig seltener wurde, und ein den Juden feindselig entgegentretendes Element sich der griechischen Sprache bediente. Nun erst fing man an, das Vorhandensein der griechischen Bibelübersetzung als ein Unglück zu betrachten^). Nichtsdestoweniger bestanden die griechisch redenden jüdischen Gemeinden im oftrömischen Reiche noch mehr denn hundert Jahre nach Auslösung des Patriarchates darauf, daß die Thoralektion in der Synagoge mit - griechischer Uebersetznng begleitet werde. Die antihellenisch Gesinnten wollten dies nicht zugeben. Der Streit kam >1 Midr. Tehill. 31. *) S. die 'Belege bei R. Asariah d' Rosst Äav. VHI., Grätz (HI. 478 ff.) hat hier offenbar die historische Entwickelung verkannt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.