Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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250 — Allein allmälig wurde das Griechenthum der eigenen Nationalität gefährlich. Selbst Priester sagten sich von der frommen Sitte der Väter los, um stch der griechischen Mode in die Arme zu werfen, nnd so die Gunst der syrischen Machthaber zu gewinnen. Diese Erfahrung führte in der hasmonäischen Restanrationszeit, welcher alles Fremde und Ausländische an und für stch verhaßt sein mußte, eine entschiedene Reaktion gegen das griechische Element hervor. Nur die große jüdische Gemeinde zu Alexandrien, welche von der syrischen Verfolgung nicht berührt worden war, hörte nicht auf, in der hellenistischen Richtung zu verharren. Im Mutterlande mußte das Fremde dem Einheimischen und Nationalen Platz machen. Ein förmliches Verbot gegen das Griechische ist wol weder in dem Kriege zwischen Hyrkan und Aristobul 0 noch überhaupt während dieser ganzen Periode ausgesprochen worden. Es war dies aber auch gar nicht nöthig; das lebendige Nationalgefühl war eine mächtigere Schutzwehr gegen das Griechenthum als alle Interdikte. Auch war der Pflege der griechischen Literatur der Umfang nichts weniger als günstig, welcher allmälig die nationalen Studien gewannen. Mitten aus diesen Verhältnissen heraus berichtet Josefus: „Wie meine Landsleute mir das Zeugniß geben, daß ich mich in der vaterländischen Wissenschaft (mtä rrjv tm%dQiov aouddav) ausgezeichnet habe, so habe ich mich auch mit der griechischen Sprache vertraut gemacht, und ihre Regeln gründlich erlernt, obschon mir ein gelävfigeö Sprechen derselben durch die Sitte meines Landes unmöglich wird. Bei uns sind nämlich nicht diejenigen geehrt, welche die Sprache vieler Völker erlernt haben, und durch Zierlichkeit der Worte die Rede ausschmücken. Diese Beschäftigung, meint man, ist nicht nur jedem Freien, sondem auch jedem Sklaven zugänglich. Für gelehrt gelten nur diejenigen, welche die Gesetze gründlich verstehen, und die Bedeutung der heiligen Schriften zu erklären im Stande sind *)". Dieses wahrheitsgetreue Bekenntniß charakterisiert die zweite Wendung, welche mit R. Gamaliel II., dem Patriarchen (80—118), ihr Endziel erreicht. *) Grätz HI, 537. -) Alterth. XX. 11, %,