Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543114--0259-2543945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 247 — machen, so wollen wir damit einerseits durch augenfällige Thatsachen Nachweisen, daß die Forderungen der Zeit trotz allen Widerstandes doch endlich zur Geltung gelangen; andererseits haben wir dabei ein höheres Ziel vor Augen: Die Herstellung und Erhaltung der Ruhe und des Friedens in vielen jüdischen Gemeinden, namentlich in Ungarn, und das dadurch vermittelte Gedeihen derjenigen Institutionen, denen das religiöse Leben Nahrung und Pflege verdankt. Es ist nämlich hinreichend bekannt, daß seit einigen Jahren in verschiedenen israelitischen Kultusgemeinden Ungarns bei mannigfachen Anlässen, als Synagogenbauten, gottesdienstlichen Einrichtungen, Rabbiner- und Vorstandswahlen, Streitigkeiten ausgebrochen sind, welche häufig zur Kenntniß der Behörden gelangten und die Entscheidung derselben erheischten. Da sich nun die Einen mit vieler Ostentation die Orthodoxen nannten, die Andern dagegen von zeitgemäßen Reformen sprachen; so gewann allmälig die Anschauung Raum, als wären die ungarisch-jüdischen Gemeinden von verschiedenen religiösen Parteien zerklüftet! — Religiöse Spaltungen unter den Israeliten in Ungarn werden als unleugbare Thatsache betrachtet. Eingeweihte und Tieferblickende wissen freilich längst, daß bei den fraglichen Streitigkeiten keiue religiöse Spaltung obwalte, und daß bei all den in Rede stehenden Reibungen von keiner Differenz im Kultus, sondern lediglich von einer Differenz in der Kultur die Rede sei. Der Sachkenner konnte niemals auch nur einen Augenblick zweifeln, daß die Einen, ohne alle reformatorische Absicht in Bezug auf Dogma und Kultus, bloß Uebelstände beseitigen wollen, die ihnen mit Recht als Produkt der Ungunst vergangener Zeiten erscheinen, während die Andern selbst in jenen Uebelständen ein geheiligtes Herkommen erblicken. Die neuesten Eisenstädter Konzessionen sind geeignet, auch dem minder Kundigen die Augen zu öffnen, und ihn die Sachlage in ihrem wahren Lichte erkennen zu lassen. Den» wenn ein renommirter Rabbiner in Galizien die hebräische Grammatik und die deutsche Sprache noch heutzutage perhorreszirt 1), Dr. Hildesheimer aber hHä-Chäwz ffl, 69 ff.