Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 246 — Gegenwart gemacht hat, indem er die hebräische Grammatik in seinen Lehrplan aufnahm. Eine noch merkwürdigere Konzession ist die Aufnahme des „deutschen Unterrichtes", worunter der Vers, die Kenntniß der deutschen Sprache, etwas Geografie und Geschichte, etwas Mathematik und etwas Latein versteht (S. 30). Es ist lehrreich zu beobachten, wie die Träger der Orthodoxie, trotz ihrer Marime, es müsse Alles und Jedes beim Alten bleiben, dennoch allmälig nachgeben und sich gegenseitig desavouireu. Die angesehensten Rabbinen der Mendelssohnischen Zeit erklärten die Pentateuch- Übersetzung Mendelssohn's für religionsgefährlich. Flößte ihnen etwa deren Inhalt Bedenken ein? Mit Nichten! Sie ließen sich auf eine Prüfung des Inhaltes gar nicht ein. Vielmehr sprachen sie mit redlicher Offenherzigkeit ans, daß die Verdrängung des jüdischdeutschen Dialektes unmittelbar die polnischen Lehrer und mittelbar den Thalmudunterricht aus den Jugendschulen verdrängen würde. Der Erfolg hat diese Besorgniß vollkommen gerechtfertiget. Allein eben deshalb wurden die Jeschiboth mit aller Strenge vor dem Eindringen der neuen Bildnugselemente bewahrt. Je gewisser ein Theil der Jugend dem Thalmudnnterrichte gänzlich entzogen wurde, desto exklusiver sollte dieser Unterricht für die eigentlichen Thalmudjünger bleiben. Am strengsten verfuhr hierin die Preßburger Jeschibä; aber auch an minder strengen Thalmudschulen wurden Bildung und Wissenschaft höchstens geduldet, in keinem Falle befördert und begünstigt. LeztereS soll seit einigen Jahren' auch in Preßburg der Fall sein. Welch einen rapiden Fortschritt hat daher die Orthodoxie gemacht, indem sie allmälig zugesteht, daß ein gewisses Maß externer Bildung für den Rabbinen nothwendig sei, und indem .sie selbst beflissen ist, den künftigen Rabbinen dieses Bildungsmaß zu verschaffen! Indem wir diesen Progreß der streng rabbanitischen Schule konstatiren, sind wir weit entfernt, den älteren Rabbinen nahe zu treten. Wir wissen ihren Eifer, ihre Konsequenz und ihre Strenge nach Gebühr zu würdigen. Am wenigsten kommt es uns in den Sinn, die Reinheit ihrer Absicht zu bezweifeln. Wenn wir auf die neue progressive Wendung im Lager der Orthodoxie aufmerksam