Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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— 239 — Ich bin weit entfernt davon, zu fürchten, daß du, mein sehr geschäzter und innigstgeliebter ״Ben-Chananja", meine ehrlich gemeinten Worte mißdenten, und meine liebeheißen Gesinnungen für dich in Zweifel zu ziehen dich bewogen fühlen werdest. Als du, noch ein wackerer Universilätsbürger, so Schönes für die Zukunft versprachst, hattest du schon einen Ehrenplaz in meinem Herzen. Ich verkenne weder dein resnltatvoltes geistiges Streben und Wirken, noch dein biederes Ringen nach Gemeinnüzigkeit Wer las deinen Artikel über Jndifferentismns, ohne zu erkennen, wie taktvoll du für die Würde deiner Zeitgenossen gegen die religiösen Romantiker in die Schranken trittst? Wer las deine Grundlehren der Religion, ohne zu erkennen, wie sehr du berufen bist zu einer Stüze für das Judenthum der Gegenwart? Wer wird irr Abrede stellen, daß in deinen bisher erschienenen Hefterl fast nicht ein Artikel der Drucklegung unwürdig war? Es ist jedoch gewiß, daß die wissenschaftlichen Aufsätze der ersten vier Hefte für zehn ansgereicht hätten. Es wäre zu wünschen, du sprächest mehr zn dem auserlesenen Volke, als zn den Auserlesenen im Volke. Als jene Prinzessin deinen Geist, wegen der urrschönen Hülle, verschmähte, riethst du ihr, den köstlichen Rebensaft in goldene Gesäße zn geben. Willst du also, daß das Volk nippe von dem Lebenssäfte, den du ihm zu bieten vermagst, so reiche ihm denselben in einer goldenen Schale. Am Ende hat es denn doch genippt, wenn auch nur gelockt durch das glänzende Gefäß, und hat es zu nippen begonnen, wird sich die Lust, wieder zu rrippcu, schon mehren. Du hast ein Depot errichtet für die Produkte deines Geistes und deiner. Geistesverwandten. Gut! dann mußt du den Kunden zurnfen: Seid ihr Gelehrte? so kommt herein, und kaufet, ihr werdet euch nicht betrügen; seid ihraber Laien, so geht weiter, oder suchet dort im Winkel unter dein Gerumpel. Als du einst den Stahl in die Glut warfst, itm ihn für den Ambos reif zu machen, hattest du damals eine Ahnung, man werde einst den Stahl zu Federn benüzen, mit den Geist mit dem Pergament tu Verbindung zu sezeu und deine Unsterblichkeit zu diktiren? Warum, mein ״Ben-Chananja", hast du die Feder noch nicht benüzt, um dem Volke eine vollständige Skizze von dem Leben jenes Edlen zu bringen, dessen Namen du führst, und von dem uns so schöne Momente aufbewahrt sind? '). Befasse dich, mein gelehrter ״Ben-Ehananja", nicht immer nur mit deim Gleiche» ילך נא אדני בקרבנו• Lasse dich auch zu dem Volke herab, es Hai eben so gültige Ansprüche auf dich, wie der Arme ei» Recht hat. z» verlaugen, daß der Reiche ihn nicht verhungeru lasse. Nicht Braten und sonst Leckerbissen will es, sondern Brod, ansgebackenes, gesundes Brod, das ihm nach der Arbeit wohlschmeckt. Berufe dich nicht auf dein Aushängeschild, worans besagt ist: Monatschrist für jüdische Theologie. Wäre ״Ben-Ehananja" ein M e sse r sch m i e d gewesen, hätte er keine Gabeln gemacht? ') Dies wird in einem sehr ansprechenden Zusammenhänge geschehen. Ncd.