Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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— 240 — Nimm meiueu freundlichsten Gruß und die Versicherung, daß ich hier im Namen aller deiner Abonnenten spreche; selbst die nicht ausgenommen, in deren Interesse allein du dich so sorgsam abmühst. L. Horowitz. Brünn, 16. April. Heute starb hier Alois Ieitteles, Doktor der Medizin nnd Chirurgie, Redakteur der ofsiziellen mährischen Landeszeitung, Mitglied des großen Gemeinde-Ausschusses der köu. Landeshauptstadt Brünn, der medizinischen Fakultät zu Wien, der historisch-statistischen Sektion der k. k. mähr, schles. Ackerbaugeseltschaft, des Werner-Vereins, mehrer gelehrten und Humanitären Gesellschaften des In- und Auslandes. Die hier erscheinenden ״Neuigkeiten" bringen folgende kurze biografische Skizze über denselben: ״Dr. Alois Ieitteles war zu Brünn am 20. Juni 1794 geboren, wo sein Vater als Privatmann lebte. Er studierte das Gymnasium in Brünn, Philosophie theils in Brünn, theils in Prag, nnd Medizin in Wien, wo er am 9. September 1819 zun! Doktor der Arzneiwiffenschaft promovirte. Während seiner Studienzeit betrieb er mit Vorliebe das Studium der Literatur, der Philosophie und Geschichte, sowie der europäischen Sprachen, darunter namentlich das der spanischen Sprache und Literatur. — In die Zeit seines Aufenthaltes Ln Wien (1813—1820), wo er mit Castelli, Deinhardstein, Zedliz, Lannoy, Moscheles, Veit, Schneller u. A. in inniger Verbindung stand, fallen seine vielfachen poetischen Arbeiten, theils lyrischen, theils epischen Charakters. Im Jahre 1818 schrieb er mit Castelli die Parodie der damals Mode gewordenen Schicksalstragödien: ״Der Schicksalsstrumpf", welches Stück in ganz Deutschland beifällige Anerkennung erntete. Nach seiner Promotion brachte er den Herbst und Winter von 1820—21 in Leipzig und Berlin zu, um die dortigen medizinischen und andere wissenschaftliche Anstalten kennen zu lernen. Von dort zurückgekehrt, nahm er 1821 leinen bleibenden Aufenthalt in Brünn, wo er als praktischer Arzt bis zum I. 1851 thätig war und rühmliche Anerkennung fand. Er war vierjähriger Arzt des wohlthätigen Männer-Vereines, Phisikus des Taubstummen-Jnstituts u. s. w., auf alte pekuniäre Remuneration für diese und ähnliehe Dienstleistungen stets verzichtend. Dabei vernachläßigte er aber nie den Kultus der Musen. So gab er im I. 1824 den ersten Band einer Uebersetzung des Calderon heraus; für das Theater schrieb er: ״Die Macht des Blutes", ״Aug und Ohr", ״der Liebe Wahn und Wahrheit", ״die Hausgenossen" — Lustspiele, die sämmtlich auf dem Wiener Hofburgtheater und auch anderwärts mit Beifall gegeben wurden. Seit Oktober 1848 redigirte er die ״offizielle Brünner Zeitung". Ein schweres körperliches Leiden, das ihn seit 1850 quälte und ihm die fernere Ausübung der Medizin unmöglich inachte, hatte ihn seinem ursprünglichen Beruft entzogen. — In ihm starb, wie die ״Br. Ztg." sich ausdrückt ein attgemein geachteter Ehrenmann, ein loyaler patriotischer Nnterthan, ein kenntnißreicher Freund und Pfleger der Literatur und Wissenschaft.