Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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— 228 — wird דרש genannt, von דרש, suchen, forschen; wenn nämlich die Interessen, Verhältnisse, Gefühle und Empfindungen, wovon die Gegenwart beherrscht wird, in den Tert der h. S. hineingelegt werden; oder סוד, wenn die Haggada, das Metafistsche, das Zukünftige, das Geheimnißvolle betrifft. Am meisten ist der Derusch im Thalmud vertreten, weil die Verhältnisse der Gegenwart den meisten Einfluß üben. Ihre größte Pflege fand die Haggada, als das jüdische Volk die äußere Freiheit verloren hatte und unter das Joch der Sklaverei gerathen war. Da wurde die h. S. das Panier, um das sich die Gedrückten schaarten, das höchste Lebensgut, dessen Werth zu verherrlichen, dessen Würde zu vertheidigen man sich bemühte. Die Haggada war daher auch das Feld, ans welchem sich das Talent frei entfalten, der Geist unbeschränkt entwickeln konnte; während die Halacha Gcdächtniß und Scharfsinn voraussetzte, war in der Haggada der freieste und unbeschränkteste Spielraum gelassen, Belehrung aus dem Gottesworte zu schöpfen, die h. S. mit allen nur möglichen Reizen auSzustatten, das Gemüth mit Trost und Hoffnung, geschöpft ans diesem Lebensborne, zn erfüllen. Man sezte den ganzen Schatz vor» Talent und Kenntniffen um so lieber an diese Geistesthätigkeit, als die Leistungen nicht so hervorragend, wie in der Halacha, zu sein brauchten, und leichter znm Ruhme und zunr Ansehen führten. Und so füllt denn der Haggadist mit seiner Fantasie und mit seinem Geiste die h. S. aus und lvendet sie zu seinen Zwecke» an. In den beiden Thalmudeu ist das Feld der Haggada reichlich bebaut. Zlvischen der Halacha und der Haggada boten sich so viele Berührnngs- und Anknüpfungspunkte dar, daß beide Bestaudtheile ihre gemeinschastliche Vertretung finden mußten, obgleich sie eine entgegengesetzte Richtung haben. Manche Halacha führte zn moralischen Betrachtungen und zu darauf passender Schristauslegung; manche Diskussion zu geschichtlichen Bemerkungen und Erläuterungen, welche theils die Diskussion selbst, theils die dabei austretenden Lehrer betreffen. Bei Gelegenheit pflegen auch verschiedene Sagen, Betrachtnngen, Auslegungen, wenn auch nur lose, angereiht zu werden. Beinahe kein Traktat der babilonischen Gemara entbehrt der Haggada. Demnach konnte es keine bestimmten Regeln und Nor-