Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 220 — Gestüzt aus die angeführten Argumente, sehen wir gar nicht ein, mit welchem Rechte man das Schriftwort umdeuten dürfe, wenn für die einfache, schlichte Auffassung das Sprachgesetz, der Zusammenhang, die lexikalische Bedeutung der Wörter und die Aehnlichkeit in anderen mosaischen Gesetzen sprechen? Aben Esra, der die Möglichkeit bildlicher Auffassung sprachlich zugiebt, widerlegt diese Meinung mit der wichtigen Interpretations-Regel: daß dort, wo die buchstäbliche Auffassung des Schriftwortes im Bereiche der Möglichkeit liegt und gegen den natürlichen Menschenverstand שקול הדעת nicht verstößt, wir von derselben nicht abgehe» dürfen. Wir wollen nun die Belegstellen, auf die R. Samuel und Aben Esra ihre Ansicht gründen, etwas näher betrachten. Es dürfte sich bei näherem Eingehen in dieselben ergeben, daß sie lange nicht so schlagend sind, wie sie für den ersten Anblick es zu sein scheinen. Ersterer bemerkt zu Erodus 13, 9. לסי עומק פשוטו יהיה לך לוכרון תמיר כאלו כתוב על ידך כעין שמני כהותם על לבך• Diese Stelle beweist gar Nichts, und R. Samuel hat sie mißverstanden. Denn das כהותם bezieht sich nicht auf על לבך, da die alten Hebräer den Siegelring nicht auf dem Herzen, sondern an der Hand getragen. Vgl. Genesis 38, 18. H. Lied 8, 6. Dasselbe gehört vielmehr zum zweiten Satz, und findet sich im ersten, als oft vorkommende Redefigur (Bepetitio) wiederholt. Die Gliederung des Satzes ist folgende: שימני על לבך כהותם כהותם על ודעך- Vgl. Raschbam Erodus 15, 6. der daselbst durch genannte Redefigur, die zur Eleganz der hebr. Poesie gehört, eine von den Uebersetzern übersehene, aber ganz vortreffliche Erklärung giebt *); denselben Genesis 49, 22. wo durch dieselbe Figur zu Koheleth 1, 2. eine originelle, sehr beachtenswerthe Erklärung gegeben wird. Zutreffender scheinen die von Aben Esra Erodus 13, 9. angeführten Belege zu sein. Nebenbei sei es bemerkt, daß sich daselbst ein meines Wissens ungerügter Schreibfehler cingeschlichen; denn die angeführte Stelle: קשדם על לוה לבך תמיד findet sich nicht ') Diese richtigere Auffassung der Verse aus h. L. habe ich meinem Herr» Schwager, dem gelehrten I. Wahrmauu, zu verdanke».