Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543113--0226-2543911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Riöetexegese. XVIII. Th'phrlitt. Von Abraham Hochmnth, Bczir^s-Rabbiner. Keine einzige Interpretation des R. Samuel ben Meür, dieseS geistreichen wie kühnen, in seinem Kommentar znm Pentateuch an keine Autorität sich bindenden, ja in vielen Stücken noch freimüthigern und die Tradition noch weniger, als der ihn an philosophischer Bildung überragende Ben - Esra, respektirenden Eregeten, ist in der Neuzeit mit so viel unverholenem Beifall ausgenommen worden, als die zu den daS Gebot der Th'philin enthaltenden Bibelstellen. Nach dieser Erklärung nämlich sollen die vier im Pentateuch vorkommenden Verse (2. B. M. 13, 9. u. 16, 5. B. M. 6.8,11,17.), ihrem einfachen und ursprünglichen Wortsinne nach, nicht das Anlegen der Th'philin, wie es die Tradition überliefert hat, anbefehlen, sondern bildlich zu verstehen sein, daß man die Gebote Gottes überhaupt stets vor Augen habe. Diese Auffassung findet sich nicht nur in mehrern wissenschaftlichen und kritischen Schriften scharf betont und als untrügliches Kriterium ungetrübter und von den Fesseln der Tradition unabhängiger Eregese aufgestellt — sie ist sogar in einer Sammlung unserer besten und gedicgensten Predigten, deren warmer Glanbenseifer, mit echt konservativer Gesinnung verbunden, nicht abgesprochen werden darf, wenn auch nicht schlechtwegs an-, doch wenigstens ausgenommen. Was Wunder, daß diese Ansicht eine Schaar von Anhängern gefuitden und in der Praxis in so ausgedehnter Weise zur Geltung gelangt ist, daß man heutigen Tages in manchen Gegenden unter fünfzig der Schule entwachsenen Knaben kaum zehn finden werde, die Th'philin erhalten, und wenn erhalten, sie anlegen. Selbst unter denjenigen, die noch leidlich innerhalb des Judenthums stehen und Speisegesetze, diesen Thermometer angestammter Religiosität, beob-