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Ben Chananja · 1858-01-01 · 5 (1858) · p. Seite 212

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
5 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 212 (sequence 20)
Language
German
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— 212 — unter den Gefangenen hielt. Er erzählte ihm einen Traum, und wünschte von ihm, wenn er etwas zu bedeuten hätte, die Auslegung desselben. Nicht genug — sagte er — daß ich durch die Ungnade des Königs in diese mißliche Lage gerathen bin, so werde ich noch von Träumen beunruhigt, die nur vom Himmel kommen müssen. 2. Er sagte: Ich sah im Traume eine Rebe mit drei Schößlingeu; an jedem derselben hing eine zum Keltern vollkommen reife große Traube. Ich preßte sie aus in den Pokal, welchen der König in seiner Hand hielt *). Nachdem der Most geläutert war, reichte ich ihn dem Könige zu trinken, der ihn mit Wohlgefallen nahm. Wie er ihm dies so erzählt hatte, bat er ihn um die Deutung des Traumes. Josef entgegnete, er möchte guten Muthes sein; innerhalb dreier Tage werde seine Befreiung erfolgen. Der König werde ihn zurückrufen und in sein Amt einsezen. Die Frucht der Rebe — sagte er — ist ein göttliches Geschenk. Treue und Freundschaft stiftet ihr Saft unter den Menschen. Der Wein wäscht die Feindschaft weg und verwandelt gewöhnlich des Trinkers Mißmuth und Trauer in Freude. Du sagtest ferner, den Saft an drei Schößlingen hängender Trauben habe der König ans deinen Händen genommen. Wisse, daß dies was Gutes bedeutet; denn binnen drei Tagen wirst du aus dem Elende, das dich drückt, erlöst werden. Doch wenn einst das Glück, das ich dir verkünde, sich verwirklicht haben wird, so gedenke meiner; und im Genüsse der Freiheit sieh nicht verächtlich auf den, welchen du als Gefangenen zurück lassest. Nicht als Schuldiger wurde ich hier in Fesseln gelegt, sondern ans Rechtschaffenheit und Keuschheit muß ich die Strafe eines Verbrechers ertragen, weil ich durch Wollust denjenigen nicht beleidigen wollte, der mich hierher verdammt hat. Mit dieser Auslegung seines Traumes war der Mundschenk ganz natürlich zufrieden, er erwartete nur den Ausgang. Nachbemerkung des Neberjetzers. Die Erzählung vom Mundschenk ist es vorzüglich, welche neuere Kritiker veranlaßte, das I.B. M. einem weit spätem Ver- ') In der heiligen Schrift hält der Mundschenk den Pokal in der Hand.

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