Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 211 — und mit wie vieler Güte du ihn überhäuftest. Der Undankbare! anstatt erkenntlich zu sein, wollte er schändlich gegen deine Gattin sich vergehen an diesem Festtage und in deiner Abwesenheit. Wie bescheiden war er ehemals! es war aber nur Verstellung, ans Furcht vor dir. Und was macht ihn jezt so kühn? weil du ihm unverhofft und unverdient eine ehrenvolle Stellung gabst, weil du ihn mit unumschränktem Zutrauen im Hause schalten und walten lassest, weil du ihn über die älter« Diener setzest, deshalb erfrecht er sich, Unerlaubtes gegen deine Ehefrau zu unternehmen". Als sie geendigt hatte, zeigte sie ihm das Kleid, als hätte er es zurückgelassen, während er ihr Gewalt anthun wollte. Pothiphar, der nur den Thränen, den Worten, und was sie ihm gezeigt hatte, trauete, und von geheuchelter Liebe seiner Gattin verblendet war, untersuchte nicht weiter. Er lobte seine Frau, und steckte den angeschuldigten Joses in den Kerker zu den Verbrechern. Von seiner Ehehälfte aber bekam er eine bessere Meinung, nachdem sie Beweise von Redlichkeit und Keuschheit geliefert hatte. Fünftes Kapitel. 1. Josef überliest sein Schicksal dem Ewigen. Erverthetdigte sich nicht, und erzählte auch nicht genauer den Hergang der Sache, sondern ertrug mit Ruhe seine Fesseln und ergab sich der traurigen Nothwendigkeit. Dem Allgütigen, der mächtiger ist, als jene, die ihn in Ketten schlugen, der die Wahrheit und die Ursache seines traurigen Looses kannte, ihm, dessen gnädige Vorsehung auch bald sich ihm erwies, vertraute er. Der Kerkermeister bemerkte, dast er mit Fleist und Treue die ihm übertragenen Geschäfte versah. Ihm gefiel der schöne Jüngling und er lockerte dessen Bande, linderte und machte einigermaßen erträglicher sein hartes Geschick. Er erlaubte ihm bessere Nahrung, als die übrigen Gefangenen hatten. Wenn die Etngekerkerten von ihrer harten Arbeit ausschnaubten, erzählten sie gewöhnlich, wie Leute, die gleiches Unglück theilen, die Ursache ihrer Gefangenschaft. Der Mundschenk, ein Liebling des Königs, hatte sich die Ungnade desselben zugezogen, und wurde ebenfalls in den Kerker geworfen. Gefesselt, wie Josef, war er mit demselben etwas freundlicher, weil er ihn für den Klügsten 14"