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Ben Chananja · 1858-01-01 · 5 (1858) · p. Seite 210

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
5 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 210 (sequence 18)
Language
German
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— 210 4. So sprach die Frau und weinte. Aber weder ihre Thräneu noch ihre Drohungen machten Josef wanken. Er widerstand ihrem Flehen und fürchtete ihr Drohen nicht, aus Scheu vor einem solchen Verbrechen. Was immer Herbes bevorstünde, wollte er es lieber ertragen, als dieser Frau etwas zu gewähren, wovon er das Bewußtsein trug, daß es zu seinem Verderben ausschlagen müsse. Er mahnte sie an die Pflicht, die sie ihrem Manne schulde. Er beschwor sie dieser Pflicht getreu, sich von ungezügelter Leidenschaft nicht Hinreißen zu lassen, deren flüchtiger Genuß nur bittere Reue nach sich zieht, und das begangene Verbrechen nicht wieder gut machen kann. Ueberdies — sagte er — ist immerwährende Furcht entdeckt zu werden, der einzige Lohn geheimer Sünden. Die Freuden der Ehe hingegen können ohne Gefahr genossen werden, und mit reinem Gewissen erscheint man vor Gott und vor Menschen. Unbefleckt werde sie größere Macht über ihren Gatten haben, als wenn man sie eines so schändlichen Vergehens zeihen könnte. Endlich ist ein sittlicher Lebenswandel mehr werth, als das drückende Bewußtsein heimlicher Sünde. 5. Mit diesen und noch ähnlichen Redeweisen versuchte es Josef, ihrer heftigen Begierde Einhalt zu thun, und sie von ihrer sündlichen Leidenschaft ab-, zur Vernunft zu bringen. Sie aber nur noch wüthender, wollte durch Gewalt sich verschaffen, was sie durch Worte zu erlangen verzweifelte. Josef, entrüstet, sprang aus dem Gemache, und überließ ihr sein Kleid, das sie erfaßt hatte. Die wegen dieser Abweisung auf's Aeußerste gebrachte Frau, auö Furcht, Josef möchte diesen Auftritt ihrem Manne erzählen, faßte den Entschluß, ihn bei Pothiphar sogleich fälschlich anzuklagen. So wollte die schwer Beleidigte sich rächen. Sie hielt es für klug und für eine Frau rathsamer, mit ihrer Klage znvorzukommen. Sie, deren Leidenschaft unbefriedigt war, saß traurig und verstört da, und stellte sich aufgebracht und beleidigt, als wäre ihre Ehre angetastet worden. Ihr Mann trat ein, wunderte sich über ihre Stimmung und fragte nach der Ursache. Da begann sie ihre Klage gegen Josef: ״Zögere nicht, mein Gatte, diesen ruchlosen Sklaven, der dein Ehebett schänden wollte, wie er es verdient, zu züchtigen. Er hat vergessen, in welchem Zustande er in unser Haus kam,

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