Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1858-01-01 · 5 (1858) · p. Seite 209

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
5 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 209 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543107-2543113--0220-2543905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 209 — Unterwürfigkeit als Sklave, nicht aber auf seine unter jedem Verhältniffe unerschütterliche Sittlichkeit. Sie muthete ihm die Besriedignng ihrer glühenden Leidenschaften zu; er aber wies ihre Bitten zurück. Er sagte, es wäre der schwärzeste Undank gegen den, der ihn erkauft und zu solchen Ehren gebracht hatte. Er ermahnte sie, ihre wilden Leidenschaften zu bezähmen, und niemals zu hoffen, daß er ihr Verlangen befriedigen werde. Lieber würde er das Aeußerste leiden, als ihr zu Gebot stehen. Es zieme zwar dem Sklaven nicht der Herrin zu widersprechen, in solchen Dingen aber sei Ungehorsam zu entschuldigen. Hiermit hoffte er, sie würde ihren Wunsch ausgeben. Josef's Widerstand hingegen erhöhte nur ihre glühende Liebe. Da das Sehnen nach Befriedigung sie noch heftiger erregte, beschloß sie mittelst eines anderen Versuches Josef zu besiegen. 3. Es war ein Festtag, und die Sitte verlangte, daß auch die Frauen öffentlich erschienen. Sie schüzte bei dem Manne Unpäßlichkeit vor, um nur allein zu Hause zu bleiben und Josef zu bewegen. Sie redete ihm jezt mit süßeren Worten zu. Es wäre besser gewesen, er hätte ihren früheren Bitten uachgegeben, und ihr nicht widersprochen. Aus unüberwindlicher Neigung zu ihm, hätte er sie, die Frau, dahin gebracht, ihrer Würde zuwider sich gegen ihn zu benehmen. Wollte er vernünftig sein, so möchte er jezt sein voriges kindisches Benehmen wieder gut machen; oder wünscht er zum zweitenmal? gebeten zu werden, so geschehe es jezt noch inniger. Sie habe eine Krankheit geheuchelt und ihn den Freuden eines Festes vorgezogen. Sollte er ihrem vormaligen Geständnisse mißtraut haben, so möge er als Beweis ihrer Aufrichtigkeit es hinnehmen, daß sie auf ihr Verlangen noch jezt bestehe. Er möchte sein Glück genießen, welches schon jezt ihm zu Theil wird, wenn er ihrer Neigung sich füge, und noch viel Höheres erwarten, wenn er ihren Wünschen Gehör gäbe. Fürchten hingegen solle er ihren Haß und ihre Rache, wenn er seine unverlezte Keuschheit den Gunstbezeugungen der Herrin vorzöge. Sie werde ihn bei ihrem Manne anklagen, daß er sie nothzüchtigen wollte, und Pothiphar werde ihren Worten mehr als den seinigen Glauben beimessen, obschon er mit Wahrheit umgehe. B«n-Chananja 4858. Y. 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.