Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 4 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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188 auf der Kanzel mit kaum begreiflichem Eifer seine Stimme gegen die — Haarlocken der Frauen; während der anerkannteste gottbegeisterte הלא לאללא lezter Zeit, der in Gott ruhende Chatham Sofer, davon nur in seinem Testamente zu seinen Töchtern sprach. Es ist möglich, daß Sie, geschäzter Herr Redakteur! mit dem Stoffe, den ich mir heute gewählt habe, nicht ganz zufrieden sind, und dieser Correspondenz nur deßwegen die Ausnahme gestatten, weil der ״Ben-Chananja," im Centrum sizend, nach beiden Seiten ruft: כל דכפין ייתי ליכול* Da ich aber nun einmal begonnen habe, so erlauben Sie mir noch eine Parallele. Vor Jahren wählte eine hervorragende Gemeinde Ungarns einen Rabbinen, der mit thalmudischen und jüdisch-theologischen Kenntnisse auch eine umfassende philosophische Bildung verband; daher er auch ein ״Zeitgemäßer" genannt wurde. Alle Rabbinen Ungarns der entgegengesezten Farbe erhoben sich, sprachen und schrieben unumwunden und offen, um eine ihnen so mißliebige Wahl zu hintertreiben. Der Kandidat wie seine Wähler — so viele Unannehmlichkeiten ihnen auch bereitet waren — hatten doch den Vortheil, ihre Gegner zu kennen, sie konnten den Grund der Opposition eben sowohl in dem Mangel weltlichen Wissens und weltlicher Zeitlage, als in einem frommen zwar, aber übel verstandenem Eifer suchen und darstellen. — Die Stinrme dieser ehrlichen Eiferer hat mit der Zeit Gewicht und Klang verloren; und so sehen wir heute manchen Nabbinatsstuhl besezt theils mit inländischen, theils mit ausländischen gebildeten Männern. Nun trifft es sich heute zun! Beispiel — ich sage: zum Beispiel, um jeder Beziehung den Faden abzuschneideu — daß eine Gemeinde zu ihrem geistlichen Oberhaupte einen Mann zu wählen im Begriffe ist, der eben so bekannt ist durch wissenschaftliche Bildung, wie anerkannt durch seine milden, der Zeit anpaffenden religiösen Ansichten. Ein Rabbine einer Nachbargemeinde, dem wohl einige philosophische Bildung nicht abzusprechen ist, dessen Wirken in Bezug auf Schule und Kanzel anerkannt wird, der auch durch Vermögens- Verhältnisse sich in einer unabhängigen Stellung befindet: dieser Mann, ein Rapoport in injvialur, sucht jene Wahl durch — heimliche Agitation zu Hintertreiben! Wollen Sie mir nicht gestatten, einen solchen Mann ein Surrogat von einem מלא לאללא zu nennen? Schließlich bitte ich Sie, dem hochw. Herrn Bezirksrabbiner, Abr. Hochmuth, meine volle Hochachtung zu bezeugen. Er ist mir mit einer Besprechung der Lesebücher für israel. Volksschulen in Oesterreich zuvorgekommen; und ich danke ihm um so herzlicher dafür, da ich eingestehen muß, ich Härte bei manchem Lesestücke seine taktvolle Milde in der Besprechung nicht eingehalten. So würde ich Nro. 102 in stilistischer und Logischer Beziehung streng getadelt haben. Wie will man begreifen, wenn erzählt wird: ״Ja, einige böse Menschen machten sich diese Uneinigkeit zu Nutzen, und trachteten, die Söhne n ach dem Tode ihres Vaters um ihr väterliches Erbtheil zu bringen. Davon hörte der Vater" (?) — Welche Moral soll eine Fabel den Kleinen brin-