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Ben Chananja · 1858-01-01 · 4 (1858) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
4 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 185 (sequence 41)
Language
German
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— 185 — Nun wol! wir haben geeignete und zweckdienliche Räume; wir haben die geeigneten Lehrmittel für Religion und Wissenschaft; wir sind von einem lebhaften Eifer für unfern hochheiligen Beruf durchdrungen; — kurz, die Pädagogik ist heute in eine blühende Phase der Veredlung getreten, die uns zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft des Judenthumes berechtigt; aber gerade um dieses Indenthumes Willen, gerade aus ängstlicher Besorgniß für die Erhaltung des Judenthumes erhebe ich meinen Unkenruf, und stelle den jüdischen Schulen in Ungarn das traurige Prognostikon, daß ihnen der Verlust ihrer konfessionellen Bestimmung droht. Wir werden gute Volks-, aber keine jüdische Schulen haben, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil es uns an jüdischen Lehrern fehlen wird. ״Inciclit in scyllam, qui vult vitare ekarybdim \u Der Nachwuchs unserer Lehrschößlinge erhält zwar seine Richtung und Reife in den öffentlichen Präparandien, die, wir geben es gerne zu, zweckmäßig orgauisirt und geleitet, jedoch nur die wissenschaftlich-pädagogische Befähigung des Kandidaten befördern können; um die Doktrin und die religiöse Bildung des jüdischen Zöglings sich nicht kümmern '). Und so tritt der neu kreirte Lehrer sein Amt an, Fremdling im Gebiete des Glaubens, fremd im Geiste der Religion und unbekannt mit dem Worte der Schrift. In früheren Zeiten, als der ächte Geist der religiösen Ueberzeugung das Judenthum durchwehte und belebte, als man die Worte ,,du sollst darin forschon Tag und Nacht" noch in ihrer ursprünglichen Bedeutung nahm, gab es für den angehenden Jüngling nur Eine Bildungsregel, und diese, war: das beständige Einleben und Einüben in die heil. Schrift und ihre Eregese. — Religion und Kenntniß der Bibel in ihrem Gesammtumfange bildeten die Grundlage eines jeden Bildungsbaues, das Fundament eines jeden Erziehungssystems. Der, eine höhere Bildung anstrebende Jüngling schloß damit seine klassisch-religiöse Bildung nicht ab, sondern studirte die Werke der Alten, wie etwa den More, Kusari; es gehörte zum gelehrten Tone, wenigstens einen Abschnitt aus dem Bechinoth Olam rezitiren zu können; er lernte die deutsche Literatur kennen, und befreundete sich mit den Naturwissenschaften. Waren die Speicher des Geistes gefüllt, und der Jüngling wurde durch inneren Berus oder selbst durch den Zwang äußerer Verhältnisse zur Pädagogik hingewiesen, so brauchte ihm diese nur die Anwendung und den Gebrauch der erworbenen Kenntnisse zu zeigen und die Mittel zu lehren, durch welche er gleichsam das Licht seines eigenen Herzens in die Seele des Kindes übertragen müsse. Doch heute betritt der jüdische Jüngling die Präparandie, nicht um Lehrer zu werden, sondern um zu lernen, d. h. um sich erst Materialien des I Unserer wackerer Correspondent scheint nicht zu wissen, daß die jüd. Präparandisten in den Religionsgegenständen unterrichtet werden, und aus denselben Prüfung geben müssen. Hed.

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