Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 4 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 183 — Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß bei dem hebräischen Unterrichte an einer und derselben Schule in einem kurzen Zeiträume die heterogensten Ansichten geltend gemacht werden; mit dem stattfindenden Vorsteher-, Rabbiner- oder Lehrerwechsel erleiden diese Lehrgegenstände auch oft nur zum Nachtheile der Jugend auffallende Modifikationen und Reduktionen. Bald bildet das Uebersetzen der Gebete einen wesentlichen und wichtigen Lheil des hebe. Unterrichtes; bald wird es als überflüssiger Ballast über Bord geworfen. Heute wird die strengwörtliche Uebersetzung dem Lehrer zur heiligsten Pflicht gemacht; morgen wird dieselbe als ein dem deutschen Sprachunterrichte nachtheiliges Verfahren verworfen, und durch eine blos dem Sinne entsprechende Uebersetzung verdrängt. Am ersten des Monats werden die grammatikalischen Regeln und Bemerkungen bei den passenden Stellen während des Bibelunterrichtes entwickelt, erklärt, angewendet und eingeübt; doch am Ende desselben Monats hat man schon die Unzulänglichkeit und Unzweckmäßigkeit dieser Konzentrationsmethode eingesehen und erkannt, und die Einführung einer recht volumiuösen Grammatik ist sogleich beschlossen und ungeordnet worden.; - Im Verlaufe des Winterkurses werden alte Stellen und Abschnitte der Bibel, ohne Unterschied, ohne Berücksichtigung des zarten Alters der Schüler gelehrt und gelernt; doch im Sommerkurse, pädagogischer und didaktischer Gründe halber, wieder als unzulässig erklärt und auf eine recht geheimnißvolle Weise übergegangen und weggelassen. Nicht selten werden die hebr. Lehrgegenstäude dem am wenigsten befähigten Lehrindividuum übergeben, ja häufig werden dieselben nicht einmal der Aufnahme in die Prüfungsprogramme und Schulzeugnisse gewürdigt. — Daß der hebr. Unterricht bei einer solchen stiefmütterlichen Behandlung und unter solchen Mißverhältnissen unmöglich gedeihen kann, und daß demselben zur Belebung und Stärkung des religiösen Gefühls eine zweckmäßige Umgestaltung und Verbesserung zu Theil werden umß, dürfte wohl kaum von einem Sachverständigen und Fachmanne bezweifett werden. Die hohe Regierung, deren weise Sorgfalt auf das heilsame Gedeihen aller vaterl. Schulen, ohne Unterschied der Konfession, gerichtet ist, hat nun mittelst eines hohen Erlasses mehrere Rabbinate und Schulvorstände zur Beantwortung der Frage aufgefordert, ob es nicht zweckmäßig wäre, in den israel. Schulen hebr. Tertbücher eiuzuführeu, an deren Leitfaden der hebr. Unterricht ertheilt werden könnte. Jeder Sachverständige wird wol eiusehen. daß die bis alther verbreiteten verschiedenen Bibel- und Gebetbuchausgaben die Schuldisziplin störten und den Fortschritt der Schüler hemmten, daß die Schuljugend noch immer jedes zweckmäßigen Leitfadens entbehrt, um sich durch häusliche Selbstthätigkeit in der hebr. Sprache zu vervollkommnen, und daß planmäßig gearbeitete, vom jüdischen Geiste durchwehte Schulbücher überhaupt, neues Leben und frische Lust in die israel. Schule bringen und das Gedeihen des hebräischen Unterrichtes be-. fördern würden. ׳