Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 4 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 182 — Sott aber dieser neugepflanzte Baum der Erziehung und des Unterrichtes auch in der That die gewünschten herrlichen Früchte bringen, sott die Schule auch wirklich ihrer hohen und wichtigen Aufgabe entsprechen, sotten durch dieselbe der Familie treue Anhänger, der Gemeinde opferwillige und glaubensfeste Glieder, und dem Staate brauchbare Unterthanen herangebildet werden, so müssen auch diejenigen Lehrobjekte die ihnen gebührende Sorgfalt und Berücksichtigung erhalten, die in der isr. Schule die Seele des Religionsunterrichtes bilden, und ohne deren Kenntniß Gemeinde und Gottesdienst einem traurigen Verfall entgegen gehen würden; wir meinen die Bibel und die Gebete im Urterte. Die Vernachläßigung dieser für die religiöse Bildung w wichtigen Uuterrichtsgegenstände ist ein allgemein bedauertes Nebel, mib dessen schleunige Abhülfe ein unabweisbares Bedürfnis so wie der innige Wunsch aller derer, die noch Sinn für Religion und Judenthum haben. Wol müssen die traurigen Rückschritte des hebräischen Unterrichtes den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart an die Volksschule in den für's Leben nothwendigen Kenntnissen und Fertigkeiten, sowie der leider noch immer sichtbaren Abnahme des häuslichen zeremoniellen Lebens zugeschrieben werden; doch eben das Auftreten dieser mächtig scheinenden Gegner, eben das Sichtbarwerden dieser immer zunehmenden Krankheit sollte sämmtliche isr. Lehrer zur Auffindung siegreicher Waffen, zur Anwendung zweckmäßiger Heilmittel anfpornen und antreiben. Was ist aber bisher in dieser Beziehung geschehen ')? Haben isr. Lehrer die Hebung und Verbesserung des hebr. Unterrichtes zum Thema wechselseitiger Besprechung und Berathung gemacht? Wurde der Einführung methodisch-abgefaßter Bücher, der Anwendung eines zweckmäßigen Lehrganges, einer ersprießlichen, Lust erweckenden Unterrichts- Methode das Wort geredet? Sind die Lehrer des hebr. Faches sich des zum Verständniß der Gebete und des Gottesdienstes erforderlichen Lehrzieles und der hiezu nothwendigen wöchentlichen Unterrichtsstuudenzahl klar bewußt? Während allen Unterrichtsfächern, vom Buchstabieren bis zur Literaturgeschichte, vom Numerieren bis zur Logarithmenrechnung, eine heilsame, ihren Bildungsmomenten entsprechende Umgestaltung zu Theil wurde, während jeder angehende Lehrer seine Befähigung durch theoretische und praktische Prüfungen ans jedem andern Lehrgegenstande bewähren muß, während bei alten übrigen Lehrobjekten eine für alle Schulen der Monarchie allgemein giltige, bei Versetzung der Schüler besonders wünschenswerthe Einheit und Gleichheit angestrebt wurde, herrschen bei dem hebräischen Unterrichte leider noch die unerhörteste Willkür und die traurigste Gleichgiltigkeit -). 1J Einzelne Rabbiner! und Lehrer haben sich in ihrem Kreise um die Hebung des hebr. Unterrichtes nicht geringe Verdienste erworben. Ked. -) Unser ehrenwerther Correspondent hat sich von seinem edlen Eifer zum Gebrauche etwas starker Ausdrücke hinreißen lassen. Ne).