Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 4 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 179 — (Eine Synagogeneinweihunz und eine Nabbinermstallation in Italien. Reggio, 16. Jänner. Der Morgen des 15. Jänner 1858 entsandte seine hellsten Strahlen im Gegensätze zu dem Scheine hundert brennender Kerzen, die einen herrlichen Tempel beleuchteten, in den eine ganze Bevölkerung zum Erstenmale strömte, um sich vor Gott zu sammeln, zu verbrüdern, heiße Gelübde vereint zu ihm emporsteigen zu lassen und für die vielen, gebrachten Opfer da Ersatz zu finden. Alle Herzen schlugen mit jener wahrhaften Freude, die nur das Wahre, das Große in uns erregt. — Der Eine bewunderte in der Höhe den Schwung des genial und wahrhaft künstlerisch entworfenen einzigen Bogens, der uns an die Zeiten klassischer Architektur erinnert, ein Anderer das Säuleuwerk, welches das Volk von der heiligen Lade trennt, der Dritte die verschiedenen Marmorgattungen der Lezteren, die, wenn auch von dem Stile des Tempels abweichend, dennoch ihrem Platze angemessen sind. Andere warfen vergnügte Blicke auf eine in die religiöse Tracht gekleidete, anserwählte Schaar von Jünglingen und Kindern, — bereit, auf einen Wink, in erhabene harmonische Gesänge zu zerfließen — und freuten sich, Söhnen, Brüdern oder Freunden unter denselben zu begegnen. Da ließ sich, an der Schwelle des Gottes- Hauses, eine sanfte melodische Stimme vernehmen, und man sah den Seelen- Hirten, die göttliche Thora haltend, ernsten Schrittes eintreten, um zum erstenmale den Gottesdienst im Tempel zu verrichten. Ihm folgten mehrere Rabbincn und viele andere Fromme schloffen sich mit der heil. Thora an. An ihrer Seite wurden brennende Fackeln getragen, und so bewegte sich her Zug vorwärts gegen die heil. Lade. Inzwischen ertönte eine mit der Orgel meisterhaft ausgeführte Melodie. Die wohlgeschülten Ehöre der Jünglinge nnd Kinder fielen zugleich ein und rissen die Seele mit sich fort zu den erhabendsten Ideen. In inbrünstigem Gebete erflehte der Seelenhirt von Gott alle Segnungen, und so wurde die heilige Ceremonie in schönster Ordnung, mit größter Genauigkeit und erhabenster Würde von Sr. Ehrwürden, dem Rabbinen Herrn Lattes, verrichtet. — Alle verließen das Gotteshaus, von hoher Begeisterung ergriffen, innerlich befriedigt von der Pracht des Tempels, der in seinen Einzelnheiten die seltensten architektonischen Schätze aufweist und alten Anforderungen des israelitischen Ritus aufs Vollkommenste entspricht; sei es durch die erforderliche Trennung der Männer von den Frauen, die, in einer zweckmäßig eingerichteten Galterie, mit aller Bequemlichkeit dem Gottesdienste ungesehen beiwohnen können, ohne die Sinne des Menschen durch den Anblick ihrer Schönheit von dem Gedanken an Gott abzuwenden;- sei's durch das Vestibüle und die vielen Rebenverzierungen, die diese Arbeit zu einem schätzenswerthen Kunstwerke machen; — sei es endlich durch die Form des Gottesdienstes, der, unter Beibehaltung der herkömmlichen religiösen Gebräuche, in alter Reinheit des ursprünglichen Glaubens, den Erfordernissen des Zeitgeistes angepaßt wurde, und in dessen Abhaltung sich Herr Rabb. Lattes uns als wahrer Diener Gottes zeigte. 12"