Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 4 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 177 — Waisenhaus, worin zwölf Waisen ihr.e volle Verpflegung und späterhin Unterricht und Versorgung finden, bis sie sich selbst einen Wirkungskreis schaffen können. Nicht minder großartig ist das jüdische Spital, das die Chewrakadischa unterhält. Noch muß ich Ihnen und Ihren Lesern von einer sehr werthen Persön- Lichkeit berichten, die hier in stiller Zurückgezogenheit ein frommes und bescheidenes Leben führt. Es ist dies der humane und fromme Rabbiner Hr. Israel! Löw, geweftner Rabbiner in Fünfkirchen, der sich mit einer Pension von 600 fl., j die ihm seine gewesene ehrenwerthe Gemeinde vierteljährig voraus bezahlt, vom Amtsleben zurückgezogen und hier unter seinen Kindern den Rest seiner Tage, die ihm der Herr des Lebens bestimmt, zu verleben gedenkt. Doch ist in lezter Zeit das reine Leben dieses Frommen sehr getrübt worden; es hat dem Gebieter über Leben und Tod gefallen, kurze Zeit nach stattgehabter Feier der goldenen | Hochzeit, zu der von weit und breit seine Freunde und Kinder herbeigeströmt I waren, seine thenre Ehehälfte ihm zu nehmen. Eine tieft und schwere Wunde J für so einen alten Mann. Möge dieser würdige Rabbi in Gott und Religion h ftinen Trost suchen und auch finden. Und nnn אהרון אהרון ה2יב zum Schluffe einige Worte über das große Licht, das hier durch 27 Jahre geleuchtet und am 2. Jänner 1868 plötzlich erlosch. Es ist dies der in weitesten Kreisen berühmte und tief betrauerte Dr. Friedrich Groß, seligen Andenkens. Friedrich Groß, Di׳, der Medizin nnd Chirurgie, Inhaber und Direktor der Augenkranken-Heilanstalt für Arme, Mitglied der ständigen Medizinal-Com- Mission der k. k. Medizin. Fakultät zu Pesth, der Gesellschaft deutscher Aerzte zu Paris, der k. k. Gesellschaft der Aeuzte und des zoologisch-botanischen Vereins zu Wien, pernran. Ehrenmitglied des Wiener mediz. Unterstützungsvereins, Primärarzt des israelitischen Krankenhauses in Großwardein, Inhaber des k. k. goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, wurde geboren 1798 in Großwardein, wo seine Mutter noch lebt. In! Jahre 1819 erhielt er das Diplom als Doktor der Philosophie. Im Jahre 1825 wurde er zum Doktor der Medizin und der Chirurgie promovirt. Im Jahre 1830, bis zu welcher Zeit er außer Ungarn gelebt, kehrte er in seine Vaterstadt zurück, um sich da für ewige Zeiten ein Denkmal zu setzen, ein Denkmal, das seine Liebe zur Kunst wie zur Menschheit beurkundet. Er gründete nämlich hier aus eigenen Mitteln eine Heilanstalt für Arme, die mehr einem freundlichen Lusthanse mit Orangerien und duftenden Blumenalteen glich als einem Krankenhanse, und hat da während einer 27-jährigen Praxis nicht weniger als 50,000 arme Kranke unentgeltlich behandelt.! Am 27. Mai 1857 beehrte Seine Majestät der Kaiser die Anstalt mit einem Allerhöchsten Besuche, und verlieh dem Gründer nnd Erhalter derselben das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. So wie er als Arzt nnd Mensch gelebt, so lebte er seinem Stamme und Glauben treu als Israelit nnd hatte er, seinen plötzlichen Tod vorher 12 Ben-Chanaiija 18!>8. 11.