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Ben Chananja · 1858-01-01 · 4 (1858) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
4 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 176 (sequence 32)
Language
German
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— 176 — Jezt geht die Gemeinde mit dem Gedanke» um, dem Gemeinde-Ernkommen eine sichere und festere Basts zu geben, als dies bis heute das Briefelgeld und Mizwes - Verkaufen war. Man hat die Einsicht gewonnen, daß die alte Manier, die Ausgaben der Gemeinde zu decken, auf sehr unsicherer und auch ungerechter Basts beruhet. Ein reiches aber karges Hans konsumirt gewiß weniger als ein armer Gastgeber; der arme Gastgeber zahlt sonach in den Schatz der Gemeinde verhältnißmäßig zehnfach mehr, als das reiche aber karge oder sonstwegen wenig konsumirende Haus. Denn Häuser, die indifferent sind gegen die Speisegesetze und nicht koschere Küche halten, denen aber doch, wie sie zu sagen Pflegen, ihr Iudenthum theuer ist, haben es sehr billig, denn diese zahlen nichts in den Gemeindeschatz! Gerecht, billig und sicherer ist es daher, die nöthigen Auslagen der Gemeinde durch Repartition nach Art und Schlüssel der direkten k. k. Stenern zu decken '). Ein herrliches Institut ist die vierklassige Hauptschule, daran sich auch die Mädchenals auch die Thalmud-Schule anschließet, in einem zwei Stock hohen Gebäude, wo außer den Räumlichkeiten für den Unterricht, ein Gebetlokal mit Sefer, ein Konferenz-Zimmer für die Lehrer und ein Zimmer zur Bibliothek sich befinden; in Lezterem befinden sich bereits mehrere pädagogische, didaktische und lerikalische Werke in hebr., deutscher und nng. Sprache, schöne Landkarten, ein Globus, die Porträts I. I. Majestäten, als auch mehrerer jüdischer Celebritäten, endlich zwei Schulfahneu; altes Eigenthum der Schule. Hier werden 200—250 Kinder, worunter 50—60 Arme, unentgeltlich unterrichtet. Hier wird auch Singen und Zeichnen gelehrt. Die armen Kinder erhalten Schulbücher, Schreib- und Zeichnen-Requisiten unentgeltlich. Das Lehrerpersonal besteht aus 5 Lehrern uub eine Lehrerin. Au der Spitze des Lehrkörpers steht der sehr verdienstvolle und geachtete Hr. Friedrich Krauß, eine seltene Erscheinung unter den jüdischen Lehrern in Ungarn. Er ist nicht nur ein durch und durch gebildeter und gelehrter Mann, sondern, was bei jüdischen Lehrern selten der Fall ist, ein kluger, praktischer und routinirter Schulmann 1 2), und kann sich die Gemeinde zu der Aquisition dieses Mannes Glück wünschen. Nach Hrn. Krauß ist der beliebteste und geachteteste Hr. Ranspurg, Lehrer der 3. Klaffe. Da an dem Tage, wo ich die Schule besuchte, gerade Feiertag war, kann ich von den Leistungen mit Bestimmtheit nichts sagen, doch Wo solche Kräfte treu und sinnvoll walten, Kann Gutes nur und Edles sich gestalten. Ein zweites Institut, das zum Andenken der Allerhöchsten Anwesenheit I. I. kaiserlichen Majestäten am 27. Mai 1857 gegründet wurde, ist das jüdische 1) Die Vertheidiger der herkömmlichen Besteuerung machen geltend, daß die jährliche Repartition den Gemeindefrieden nicht selten störe, und daß dre Wohlhabenderen den Forderungen der Gerechtigkeit und Billigkeit durch freiwillige Beiträge Genüge leisten. Red. 2) Daß diese Eigenschaften unter den jüdischen Lehrern in Ungarn so selten seien, scheint uns eine gewagte Behauptung. Red.

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