Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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— 140 — Nro 105 ist ein treffliches Lesestück, um der Eitelkeit aust körperliche Vorzüge, die nur zu oft in den von der Natur begünstigten Kindern angeregt wird, entgegen zu arbeiten. — Mo 106. Ein so schönes Licht auch der lezte Ausspruch des R. Jochanan Ben Sakai auf ihn selbst wirft, und Zengniß ablegt von der tiefen LebenskeUntniß dieses um die Erhaltung jüdischer Lehre hochverdienten Mannes, so halten wir es dennoch für sehr gewagt und unpädagogisch, Kindern zn sagen, daß die Ehrfurcht vor Gott brauche nur der vor Menschen gleich zu kommen. Erwachsenen Menschen, die Verstellung nicht nur kennen, sondern auch üben, und der Menschen Auge mehr scheuen, als Gottes, solche Wahrheit und in so feierlicher Stunde zu sagen, wie es der sterbende, hundert und zwanzig Jahr alte Mischnah-Lehrer gethan, ist begreiflich, und muß von tief eindringlicher Wirkung aus seine Jünger gewesen sein; aber dem kindlichen Gemüte, das Täuschung noch nicht kennt, auch nicht kennen soll, einen solchen Satz einzuprägen, kann seine schädlichen Folgen haben. Der Verfasser scheint auch dies gefühlt zn haben, indem er in dem wider etwas zu langen Schlußsätze, sich durch ein „das heißt" corrigiren muß. Wenn schon ein Zug ans dem thatenreichen Leben des genannten Lehrers in einem Lesebuche nicht fehlen sollte, so wäre es unseres Bedünkens paffender gewesen, denjenigen zn erzählen, wie er aus dem belagerten Jerusalem in das feindliche Lager wunderbarer Weise gekommen, und sich von dem ihm gewogenen Titus keine andere Gunst hat erbeten, als die, zur Erhaltung und Fortpflanzung der Lehre eine Schule gründen zu dürfen. Diese Bemerkung führt uns zn einer andern, wichtigem, die wir hier aussprechen wollen. Nach unserer oben gegebenen Andeutung, muß auch das Lesebuch den Zweck vor Augen haben, den Kindern dieser Klaffen die jüdische Geschichte, wenn auch nur in den allgemeinsten und weitesten Umrissen, beizubringen. Das zweite Sprach» und Lesebuch spricht auch diese Tendenz aus, indem es den vierten Abschnitt mit „Ans der Geschichte" bezeichnet. Soll nun diese Absicht, worauf wir, nächst der zn erzielenden Kräftigung des religiösen Gefühls, den größten Werth legen, erreicht werden, so müssen alle größer» Perioden, womit eine Richtung abschließt, oder Schauplatz aller historischer Thätigkeit in einen andern Welttheil verlegt wird, was bekanntermaßen in unserer Geschichte oft der Fall war, indem Lesebnche ihre Repräsentanten haben. Palästina, Babilonien, Afrika, Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland lös'ten sich einander ab, theils das Überkommen weiterführend, theils neue Bahnen eröffnend. Aus jeder dieser Epochen, wie aus jedem der Länder lassen sich 2—3 Persönlichkeiten herausheben, die ihrer Zeit die Richtung angewiesen und gleichsam das Zentrum weit ausgehender Kreise bilden. Wenn nun die dergestalt herausgehobenen Erzählungen auch chronologisch geordnet sind, so bieten sie dem Lehrer den sichersten Leitfaden, die Hanptbegebenheiten der Geschichte daran anzureihen und so den Schülern ein anschauliches Bild hinzustellen.