Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Schlußsatz viel, viel zu laug, als daß er von Schülern dieser Stufe aufgefaßt werden könnte. — Nro 32 ist in stilistischer Hinsicht gut gehalten; dagegen ist der Inhalt zu philosophisch für diese Altersklasse. — Nro 33 ist an Stoff und Form sehr gut. — Nro 34. Diese, den größten Profeten von der rein menschlichen Seite darstellende Erzählung ist gut gewählt. Ungeachtet die daraus a-zuleitende Moral: wie der Führer eines Volkes beschaffen sein müsse, nicht so leicht den Kindern nahe gelegt werden kann, so ist schon die That des liebevollen Hirten, der im Busen das verlorene Schäfchen zur Heerde zurückträgt, an und für sich moralisch und daher nachahmungswürdig. Aber auch dieses Stück ist wegen der zu langen Perioden unbrauchbar, und der beste Lehrer wird seine Noth haben mit folgendem Satze: „Sinnend über das herbe Schicksal seiner in Ägypten schmachtenden Brüder, saß er einst gestüzt ans seinen Hirtenstab, den der Urahn Abraham bei seinem Scheiden aus dem Paradiese, als Erinnerungszeichen an ein hiugeschwundenes paradiesisches Leben von einem Baume gebrochen, und überschaute die Heerde Jethros." Nro 36 und 41 sind vortrefstich an Form und Inhalt. Nro 60. Dieses Lesestück ist absolut unbrauchbar für diese Leseklaffe. Was sollen den 7—8-jährige Kinder vom Feuereifer, der sich selber aufzehrt und fremdes Leben vernichtet begreifen können, und wie dunkel muß ihnen nicht die erhabene Vision des zuerst brausenden, sodann säuselnden Windes bleiben? In einer Anthologie für Lehrer und Rabbinatskandidaten wäre die Anwendung und Deutung dieser Profetischen Vision am Platze, aber nicht in einem Lesebnche für Elementarschüler. Nro 61 ist vortrefflich, nur ist der letzte Satz zu oratorisch. Nro 84 und 85 sind zu trister Natur und daher geeignet, den unschuldigen Kleinen alten Frohsinn zu zerstören und die Freude am Dasein zu rauben. Überdies widerstrebt die zu machende Anwendung von dem Gleichniß mit dem aus- und einlaufeuden Schiffe zu sehr der Natur des Menschen, die den Neugeborenen mit Jubel empfängt, und den Scheidenden betrauert. — Viel besser und zu einem thatkrästigen, moralischen, unverdrossenen, in jedem Lebensalter rüstigen Lebenswandel anregend sind Nro 86 und 87. Nro 92 ist prächtig und in einer sehr ansprechenden Form gehalten. — Nro 103 hat wieder zu lange Sätze, wie z. B. folgenden: „Als er aber sah, daß sein Vater schlief und seinen Fuß auf der Kiste liegen hatte, worin der Edelstein lag, kam er, da er den schlafenden Vater nicht wecken wollte wider zurück und erklärte den Sachverständigen, daß und warum er für den Augenblick den erhandelten Edelstein nicht ausfolgen konnte." In diesem Satze sind nicht weniger als sechs Nebensätze und überdies zwei Conjunktionen: daß und warum, mit einander verbunden, die die Auffassung ungemein erschweren. — Nro 104 ist in der Moral zu überspannt; denn bei allem Mitleidsgefühl, das der weise Rabbi auch den Thieren schuldig war, konnte er^das fremde Kalb nicht retten. —