Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — Diese zwei wesentlichen Momente sind jedoch von dem Verfasser der speziell jüd. Lesestücke gar nicht berücksichtiget worden, weder im ersten, noch im zweiten Sprach- und Lesebuch, wo ihn doch die oben erwähnte Überschrift des vierten Abschnittes dahin leiten sollte. Unter alten Lesestücken sind einzig und allein, zwei, deren Schauplatz außer Palästina ist! Und wie sind die andern geordnet und in welcher Reihenfolge kommen sie vor! Vgl. im zweiten Sprachnnd Lesebuch die Nro 48, 49 und 50. R. Meir vor Hillel, dieser vor R. Simeon Sohn Schetachs; desgleichen 126 und 128. Wir glauben, es sei gar nicht so schwer, auch ans den später» Perioden unserer Geschichte markirte Facta herauszuwähten, die sich zur Bearbeitung für ein Lesebuch sehr gut eignen. Die Gefangennehmnttg der vier auf dem Mittelmeere reisenden Gelehrten durch Piraten, und deren Verkauf als Sklaven nach Afrika und Spanien (980), wo sie von ihren Glaubensgenossen losgekauft, und zu Ehren und Würden erhoben worden, wofür diese einen Schatz thalmudischen Wissens zum Entgelt erhielten, giebt einen sehr schönen, in vielfacher Beziehung belehrenden Stoff zu einer fürs Lesebuch bestimmten Bearbeitung. Des Dichter-Fürsten Gabirols tragischer Tod, sowie die Entdeckung und Bestrafung seines Meuchelmörders (1050), — Juda Halcwi's Sehnsucht nach dem heiligen Lande (1140), — Majmonides als Gesetzlehrer und Arzt (1200), — des reichbegüterten und angesehenen Abarbanel's Anhänglichkeit an sein Volk und dessen freiwilliger Anschluß an seine Stammesgenoffen, um mit ihnen in's Eril zu wanderu (1492), — Mendelsohn, mit dem das Morgeuroth unserer Zeit aufging (1760), — alle diese ausgeprägten, von Gottesfurcht und Frömmigkeit durchdrungenen, mit der „Krone der Thora" geschmückten Individualitäten verdienen es, daß unsere Jugend ihre Namen und Thaten kenne und sich an ihnen auserbaue. Diese oder eine ähnliche Zusammenstellung von Begebenheiten könnten den Lehrer in den Stand setzen, den Schülern einen allgemeinen Begriff von der jüdischen Geschichte beizubringeu, und so das bei uns noch immer herrschende Vorurtheil, daß unsere Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempels tabula rasa sei, zu vernichten, so wie in dem einen und andern der begabter» Schüler das Streben anzuregen, sich in ihrem Gebiete einheimisch zu machen. Was wir zur Rechtfertigung des Verfassers der jüdischen Lesestücke h.eranbringen können, ist, daß er bestrebt war, dem Lesestoffe in den Lesebüchern für kath. Volksschulen einen, dem Inhalte nach Verwandten zu supponiren. Allein das ist ein sehr unwesentliches Moment, und dürfen demselben gewichtigere Rücksichten nicht geopfert werden. (Forts, folgt.) Alir. Hochmut!), Bezirksrabbiner. Neuestes aus Synagoge, Schule und Literatur. Großkanifcha, 18. Jänner. Unserer Gemeittdeschule steht die Erhebung zur vierklassigen Hauptschule bevor. Bei der Neuwahl unseres Knltusgemeindevorstandes ist Hr. Israel Löwinger zum Präses gewählt worden.